Vorschau: Auf zum viertletzten Gefecht – Mit Dresden den Kandidaten schlagen, der am realistischsten einholbar ist

Acht Punkte muss der 1. FC  Kaiserslautern in vier Spielen aufholen, um noch Relegationsplatz 16 zu erreichen. Der aktuelle Inhaber dieses Ranges, Dynamo Dresden, gastiert am Sonntag, 13.30 Uhr auf dem Betzenberg. Daneben weisen noch drei andere Mannschaften derzeit nur 37 Punkten aus: St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin. Die Frage ist also: Wer präsentiert sich gegenwärtig  so angeschlagen, dass ihm nicht einmal mehr die fünf Punkte zuzutrauen sind, die ihn für den FCK uneinholbar machen?

Beim Durchrechnen erscheint in der Tat der anstehende Gegner als der realistischste Kandidat. Nach der Begegnung auf dem Betzenberg treffen die Sachsen auf Noch-Tabellenführer Düsseldorf. Der hat zuletzt drei Mal hintereinander verloren, gegen Darmstadt, Bochum, Heidenheim, allesamt Kandidaten, die bei einer Niederlage für Lautern besser greifbar geworden wären.

MENSCH, FUNKEL, JETZT MACH MAL

Wenn Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel für den Verein, zu dem er unlängst so herzergreifend seine Verbundenheit beteuerte, nicht zum Totengräber werden will, sollte er seine Truppe also bis dahin wieder in die Spur gebracht haben – mehr als genug Qualität, um Dresden zu schlagen, muss in der laufenden Runde ja schon einmal vorhanden gewesen sein.

Verliert das Team Uwe Neuhaus die nächsten beide Spiele und gewinnen die Lauterer parallel – nach dem Treffen mit Dresden haben sie mit Bielefeld freilich einen schweren Brocken vor der Brust – betrüge der Abstand auf der Sachsen nur noch zwei Punkte. Spätestens da dürften die Nerven zu flattern zu beginnen. Zum „Abstiegsendspiel“ und zum – nein, nicht schon wieder – „Sechs-Punkte-Spiel“ haben die Medien im Osten ja schon die kommende Partie am Sonntag hochgejazzt.

An den beiden finalen Spieltagen treten die Dresdner in Aue an – dem Team, dass das Sechs-Spiele-Formranking von whoscored.com aktuell als das drittstärkste der Liga ausweist. Und zum Finale geht’s gegen Union Berlin, das in dieser Saison so sehr unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Vielleicht finden die ebenfalls noch abstiegsbedrohten Eisernen ja zu diesem Anlass noch mal zu einer ihrer würdigen Form.

WAS MACHT DRESDEN DIESES SAISON SCHWÄCHER?

Tja, es mutet fast schon ein wenig unanständig an, das Spekulieren mit den Niederlagen anderer – aber was will man noch machen, wenn man den Ligaalltag gegenwärtig aus FCK-Perspektive betrachtet?

Dresden also. Der Aufsteiger der vergangenen Saison, der mit Uwe Neuhaus’ gut strukturiertem Offensivspiel so viele erfrischende Akzente im Zweitliga-Einerlei gesetzt hatte. Was hat ihn in dieser Spielzeit schwächer gemacht?

Zum einen die Ausfälle der Stamminnenverteidiger Sören Gonther und Jannik Müller, auch Florian Ballas kränkelt derzeit. Auch vorne lief zuletzt nicht mehr viel zusammen, die Abgänge von Marvin Stefaniak und Akaki Gogia konnten von den Neuverpflichtungen Sascha Horvath, Peniel Mlapa und Lucas Röser nicht kompensiert werden. Ebenso leidet die vielversprechende Winterverpflichtung Moussa Koné, Ende Januar für stolze 2,1 Millionen Euro vom FC Zürich geholt, seit ein paar Wochen unter Ladehemmung.

Immerhin machen die Dresdner in dieser Situation nicht den Fehler, den viele andere machen, und halten weiter an ihrem Trainer fest. Und Uwe Neuhaus hat diese Woche im „Sportbuzzer“ betont, auch in dieser schweren Zeit weiter an seiner offensiven Spielweise im 4-3-3 festzuhalten: „Eine Garantie kann man ja nie ausstellen. Aber ich glaube, dass die Mannschaft so gestrickt ist, dass sie diesen Weg weitergehen will.“

MIT MINGE FEHLT AUCH DRESDENS GUTER GEIST

Nicht zu vergessen: Noch ein anderer Ausfall belastet die Dresdner derzeit schwer. Ralf Minge, der Sportvorstand, kann sein Amt derzeit aufgrund einer langwierigen Viruserkrankung nicht ausüben. Der ehemalige Klassefußballer ist Macher und „Vater“ des gegenwärtigen Dynamoteams.

Da mögen die rationalen Fußballbetrachter noch so sehr darauf verweisen, dass ein Vorstand ja nicht auf dem Platz seht, man somit nur den Spieler ein dankbares Alibi anbiete, wenn man auf seinen Ausfall verweist. Doch wenn man irgendwo auf der Welt jemandem nicht erklären muss, dass im Fußball nicht nur die messbare Qualität auf dem Platz über Erfolg und Misserfolg entscheidet, sondern es vielmehr auch einen Spirit braucht, der über allem schwebt – dann ja wohl in Kaiserslautern, oder?

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