Analyse: Das Ende kommt mit Schrecken, aber nicht mehr überraschend – Die Roten Teufel fahren zur Hölle

Das war’s. Mit „Rechnerisch-ist-immer-noch-was-möglich“-Gedöns halten wir uns in diesem Blog nicht mehr auf. Der 1. FC Kaiserslautern müsste alle drei noch anstehenden Saisonspiele gewinnen, Heidenheim dürfte gar nicht mehr punkten, St. Pauli maximal nur noch ein Mal und SV Darmstadt nicht mehr als vier Mal… Vergessen wir’s einfach. Der ruhmreiche Klub Fritz Walters spielt 2018/19 in der Dritten Liga und ist jetzt dringend angehalten, sich in den nächsten Wochen neu zu erfinden. Die verdiente 0:1-Heimniederlage gegen ein kollektiv geschlossener auftretenden, fußballerisch weiterentwickelten Gegner aus Dresden belegt endgültig: Es ist nicht nur die katastrophal verkorkste Hinrunde, die die Roten Teufel zur Hölle fahren lässt.

Wobei keinesfalls von der 1. Minute an alles daneben ging. Die Elf von Michael Frontzeck hält sich auch in dieser viertletzten Partie der Saison zunächst einmal an das Gebot, mit dem sie sich schon seit Wochen meist respektabel schlägt, trotz des viel zitierten Messers im Genick: Sie versucht, die Nerven zu behalten. Daran ist nichts verkehrt, auch wenn der Anhang natürlich einen aggressiven Sturmlauf vom Start weg erwartet. Schließlich müssen alle restlichen Spiele gewonnen werden, wenn wenigstens Relegationsrang 16 noch erreicht werden soll.

Gegenüber der unglücklichen 2:3-Niederlage zuletzt beim VfL Bochum präsentiert sich der FCK auf vier Positionen verändert. Leon Guwara und Christoph Moritz sind in die Startelf zurückgekehrt, dafür sitzt Gino Fechner auf der Bank, Brandon Borrello hat sich im Abschlusstraining verletzt. Vorne versucht sich wieder Lukas Spalvis statt Sebastian Andersson. Größte Überraschung: Für Nils Seufert bietet Frontzeck erstmals wieder Mads Albaek auf, der schon Mitte der Vorrunde verletzt ausgefallen war.

HÄLFTE EINS: SPIELERISCH BEMERKENSWERT, ABER EREIGNISARM 

26.851 Besucher sind auf den Betzenberg gepilgert – von solchen Kulissen heißt es nun ebenfalls, Abschied zu nehmen. Auch bei Dynamo Dresden ist vom Anpfiff der Vorsatz zu erkennen, nicht zu bolzen. So entwickelt sich eine Partie, deren spielerisches Niveau bemerkenswert ist angesichts der Tatsache, dass hier der Tabellenachtzehnte gegen den Tabellensechzehnten des deutschen Unterhauses antritt. Keiner sucht das Hoch-Weit, beide wollen kombinierend zum Erfolg kommen. Da sich dabei jedoch kaum Torszenen ergeben, wird’s dem Publikum bald langweilig. Schließlich ist Abstiegsdrama angesagt, und da haben nun einmal die Fetzen zu fliegen.

Nach einer knappen Viertelstunde zeigt sich aber auch: Den gepflegten Ball beherrschen die Sachsen besser. Vor allem, weil sie versuchen, auch im Angriffsdrittel noch präzise zu passen, was ihnen bisweilen sogar gelingt. Schon früh fallen sie mit exakten vertikalen Anspielen durch die Mitte auf. Zunächst kann Marius Müller nach einem solchen gerade noch gegen Rico Benatelli retten, kurz vor der Pause verwandelt Moussa Koné einen Nadelpass von Haris Duljevic sogar, steht jedoch haarscharf im Abseits. 

Lautern verlegt sich mit zunehmender Spieldauer auf das, was heutzutage mit „Umschaltspiel“ beschrieben wird, das ihm Idealfall allerdings schnell betrieben werden soll. In Hälfte eins funktioniert das wenigstens im Ansatz drei Mal, nur spielen die Offensivkräfte die Szenen nicht konsequent zu Ende. Am vielversprechendsten gestaltet sich ein Zuspiel von Moritz auf Spalvis, dessen Schuss jedoch im letzten Moment abgeblockt wird.

HÄLFTE ZWEI: DRESDEN WIRD IMMER DOMINANTER – UND TRIFFT

Nach der Pause wiederholt sich das Bild aus Hälfte eins, nimmt jedoch immer schärfer Kontur. Lauterns Umschaltversuche werden weniger, der wie immer fleißige Philipp Mwene versuchts mal aus der Distanz, Guwara setzt mit der Direktabnahme eines zweiten Balls ein letztes Lebenszeichen: Schade, dass er den Ball mit seinem schwachen rechten Fuß nehmen muss.

Dresden hält den Ball nun immer länger und immer dichter in der 40-Meter-Zone vor dem Lautrer Tor. Und, nein, es ist eben nicht die Phase, „in der alles auf ein 0:0 hinausläuft“, und auch kein „Lucky Punch“, der das Spiel entscheidet – auch wenn dies von verschiedenen Trägern des roten Trikots später in der Mixed Zone behauptet wird. 

Es ist einfach logische Konsequenz, und das Tor fällt so, wie es sich schon mehrfach angedeutet hat – durch ein präzises Anspiel aus der berühmten „Zone 14“ vor dem Sechzehner: Pascal Testroet steckt auf Erich Berko durch.

Für ein paar Sekunden scheint der Betzenberg gelähmt. Die Westtribüne aus Entsetzen vor dem, was jetzt kommt, während die FCK-Defensiven eher zu denken scheinen, was einmal geklappt hat, klappt auch zwei Mal, der Schiri wird schon Abseits pfeifen. Aber nichts da: Der Ball landet im Tor. 

Aus und vorbei. Auch ein später Ausgleich könnte nicht mehr viel bringen.  Nur ein Sieg hätte den Hoffnungsfunken bis zum nächsten Spiel weiterglimmen lassen.

ZUM ABSCHLUSS NOCH EIN CLIP UND ZWEI GRAFIKEN

Der Rest ist Schweigen. Oder vielmehr: Sollte besser schweigen sein. Auf Spieler- und Trainer-Kommentare einzugehen wie „Wir haben nach wie vor nichts abzuschenken“ oder „Wir gehen jetzt nicht auf Kaffeefahrt nach Bielefeld“ ersparen wir uns. Bleiben wir fair: Was sollen sie auch sonst sagen?

Zum Abschluss noch ein Video-Clip: Die Entwicklung von Guwaras Einschusschance in der 69. Minute. Er zeigt erstens: Bisweilen kann diese FCK-Mannschaft schon ganz gut den Ball laufen lassen, und die aufrückende Angriffslinie des Gegners auch mal überlegt überspielen, ohne Langholz schlagen. Zweitens: Es ist die letzte Szene, die bei einem erfolgreichen Abschluss diese Saison vielleicht noch hätte zum Guten wenden können. Insofern hat sie dokumentarischen Charakter.

Und, wie immer, die Positions- und Passgrafik von „11tegen11“. Strukturiert sieht anders aus. Spalvis nahm den Ball in der Regel hinter Altintop und Mwene an. Den schon öfter zu Tage getretenen Linksdrall unterstützen auch die zentralen Mittelfeldspieler Moritz und Albaek. Seufert habe sich zuletzt müde präsentiert, begründete der Trainer die Entscheidung, ihn für den Schweden zunächst draußen zu lassen. Gebracht hat es nichts. Seufert mag zuletzt immer mal den Ball zu lange geführt und sich nicht gerade als Kunstschütze profiliert haben, insgesamt aber waren seine Auftritte aber um einiges temperamentvoller als der Albaeks.

2018-04-22 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Dynamo Dresden.jpg

Zum Vergleich noch Positions- und Passgrafik von Dresden. So sieht strukturiert aus.

2018-04-22 Dynamo Dresden Passing plot Kaiserslautern - Dynamo Dresden.jpg

Ein Gedanke zu “Analyse: Das Ende kommt mit Schrecken, aber nicht mehr überraschend – Die Roten Teufel fahren zur Hölle

  1. Die roten Teufel fahren zur Hölle. Was dem Wortlaut entsprechend eine gewisse Ironie besitzt.
    Guter Beitrag.

    Der klägliche Niedergang eines großen Vereins findet seinen hoffentlichen Höhepunkt. Weil tiefer gehts ja immer. Zu hoffen, dass sich der FCK in der 3.Liga erfolgreich neu aufstellt.

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