Fanblog: Zwischen Gestern und Morgen – Warum das Heidenheim-Spiel nicht abgeschenkt werden darf

Am Mittwoch jährte sich der letzte Titelgewinn des 1. FC Kaiserslautern zum 20. Mal, in exakt der Woche, in der der bittere Gang in die Dritte Liga für den ruhmreichen Klub Realität geworden ist. Es kam, wie es kommen musste: In verschiedenen Medien kündeten ehemalige Meisterspieler gleich im Dutzend davon, wie rosarot ihre aktiven Zeiten am Betzenberg waren und wie schwarz sie dessen Zukunft nun sehen. An der im Hintergrund derzeit fieberhaft gearbeitet wird. Das Spiel gegen den 1. FC Heidenheim am kommenden Sonntag, 15.30 Uhr, scheint da fast Nebensache zu sein. Dabei gibt es triftige Gründe, es nicht einfach „abzuschenken.“

Wir haben es schon im letzten Beitrag geschrieben: Drei Spiele hintereinander hat der FCK bereits verloren. Wenn in den beiden finalen Partien noch zwei Pleiten hinzukommen, endet diese ohnehin schon traurige Saison mit einer fetten Niederlagenserie. Und wer das Umfeld kennt, weiß, wieviel Gegenwind sich dann vor allem gegen Trainer Michael Frontzeck aufbauen würde. Die ersten Böen sind schon jetzt zu spüren.

MIT DEM ABSTEIGER IN DIE NEUE SAISON? KNIFFLIG, KNIFFLIG

Den Coach gleich mit einem Vertrag für Liga 3 auszustatten, war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Sportvorstands Martin Bader im Februar. Was schon damals kritische Nachfragen provozierte: Macht es im Falle eines Abstieges und vor dem Hintergrund des notwendigen Neuaufbaus denn Sinn, mit einem Verantwortlichen weiterzumachen, dem der Makel des Gescheiterten dann bereits anhaftet?

 Das Gegenargument: Gerade für diesen Fall brauche es „Kontinuität“ über den Sommer hinaus, Leute, die den Betzenberg bereits kennengelernt haben  und das noch vorhandene sportliche Potenzial gut genug einschätzen können, um die Weichen in die Zukunft zu stellen.

 Lange Zeit sah es so aus, als könnte sich Michael Frontzeck ausreichend Reputation aufbauen, um dem Anhang auch im Abstiegsfall noch als Mann des Vertrauens zu erscheinen: Die Mannschaft präsentierte sich stark verbessert, gewann ein paar Mal, spielte dabei über weite Strecken sogar absolut  ansehnlich, doch war der Rückstand auf die rettenden Tabellenplätze, der sich in der Vorrunde aufgetan hatte, einfach zu groß… Die jüngsten Niederlagen haben jedoch an dieser Darstellung Zweifel gesät. Und fünf an einem Stück zum Saisonausklang wögen als Altlast noch schwerer…

WAS TUN? DIE MANNSCHAFT KOMPLETT UMKREMPELN? 

Doch was kann Frontzeck tun? Der Abstieg ist besiegelt, im Grunde geht’s  in den letzten beiden Partien um nichts mehr, das Gros der nun vertragsfreien Spieler guckt sich gegenwärtig nach neuen Arbeitgebern um. Wie will er da am Sonntag eine Mannschaft präsentieren, die beim Publikum in erster Linie für ihn rennt und kämpft, Überzeugungsarbeit für einen Trainer leistet, dem sie in Kürze den Rücken kehren?

Die bereits feststehenden Abwanderer in den verbleibenden beiden Spielen außen vor lassen und direkt die jungen Wilden bringen, die es ja auch in der neuen Spielzeit bringen sollen? 

Laut „kicker“ plant der FCK in der nächsten Saison mit einem Kader von 22 Feldspielern und drei Torhütern. Sechs bis acht Spieler aus dem aktuellen Profikader sollen gehalten werden, dazu sollen vier bis fünf Neue kommen, die bereits nachgewiesen haben, dass sie Dritte Liga können.

Demnach würden fast ein Dutzend Spieler würden aus der gegenwärtigen U23 und der U19 rekrutiert. Da stünden also einige zur Auswahl, die ab Sonntag schon mal Schaulaufen könnten. Die U19 kickt am Samstag in Karlsruhe, hat den Klassenverbleib in der A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest zwar gesichert, in den nächsten Tagen zwei Endspiele vor der Brust, im Südwest-Verbandspokal sowie im DFB-Junioren-Vereinspokal.

Die U23 spielt am Sonntag zwar parallel in Gonsenheim – und hat noch die theoretische Chance, Platz zwei in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar und somit die Aufstiegsrunde zur Regionalliga zu erreichen. Allerdings darf sie nach dem Abstieg der Ersten Mann in die Dritte Liga nicht mehr in die Vierte aufsteigen, da schieben die DFB-Statuten den Riegel vor. Aus diesem Kader könnte sich der Trainer also guten Gewissens bedienen.

DENKBAR: ESMEL, FECHNER, ABU HANNA, SIEVERS, ALTINTOP

Doch wäre es nicht Michael Frontzecks Stil, nach dem besiegelten Abstieg ein komplett umgekrempeltes Team zu präsentieren. Zu einigen punktuellen Veränderungen ist allerdings auf jeden Fall gezwungen. Benjamin Kessel und Philipp Mwene fallen gesperrt aus, die komplette rechte Seite also.

Damit böte sich eventuell für Dylan Esmel die Möglichkeit, sich mal von Beginn an auf dem rechten Flügel zu präsentieren. Der 20-jährige gehört zu den wenigen Spielern, die für die kommende Saison bereits unter Vertrag stehen.

Denkbar auch, dass Manni Osei Kwadwo oder Nicklas Shipnoski Gelegenheit zu geben, mal wieder ein Statement zu ihren Gunsten abgeben dürfen. Die beiden Talente sind in der Rückrunde aufs Abstellgleis geraten, ihr Verbleib auf dem Betzenberg ist noch ungewiss.

Auf der rechten Verteidigerseite könnte Gino Fechner zum Einsatz kommen. Er zählt zu den Jungprofis, die der FCK erklärter Maßen halten möchte, hat zuletzt auch bei seinem Einsatz in Bochum überzeugt. Ebenfalls bleiben soll Joel Abu Hanna. Sein Mitbewerber auf der linken Verteidigerposition, Leon Guwara, kehrt nach verbüßter Gelbsperre zwar zurück, wechselt, weil nur Leihspieler, demnächst aber wieder nach Bremen. Abu Hanna bewegt zwar nicht so viel nach vorne wie Guwara, wäre aber die Perspektivlösung, der weitere Spielpraxis gut täte.

 Ebenfalls für die Dritte Liga schon unterschrieben hat der bislang zweite Torhüter Jan-Ole Sievers. Durchaus denkbar, dass er nun auch direkt zwischen die Pfosten rückt. Die bisherige Nummer 1, Marius Müller, ebenfalls Leihspieler, geht ja wieder nach Leipzig zurück.

Nicht zu vergessen: Der 35-jährige Halil Altintop, der bislang fast nur als Einwechselspieler zum Zug kam. Er soll in der Dritten Liga die Jungen führen. Am Sonntag könnte er damit schon mal anfangen, so er in der Startelf zum Einsatz käme.

Wir sehen: Da tun sich einige Varianten auf, die den Besuch auf dem Betzenberg am Sonntag interessant machen könnten.

UND HEIDENHEIM DREHT SCHON AM PERSONALKARUSSELL

Gegner Heidenheim hat in den vergangenen Tagen übrigens schon zwei interessante Neuverpflichtungen für die neue Saison vermeldet – auf Märkten, auf denen auch der FCK nun intensiver denn je unterwegs sein muss. Von Drittligist  Wehen Wiesbaden holen die Heidenheimer den zentralen Mittelfeldspieler Robert Andrich: 23 Jahre alt, ablösefrei, ausgebildet bei Hertha BSC Berlin. Hätte auch gut auf den Betzenberg gepasst.

Und aus Saarbrücken holt Heidenheim Patrick Schmidt, den Torjäger der Regionalliga Südwest, ebenfalls ablösefrei, 24 Jahre alt, 19 Buden in der laufenden Saison, 22 in der Runde davor. Sein Sturmpartner Kevin Behrens, 27, wechselt zum SV Sandhausen, ebenfalls ablösefrei. Hat 18 Tore gemacht, 17 vorbereitet.

Damit sind die Saarländer, die als souveräner Tabellenführer nun der Teilnahme an der unglückseligen Aufstiegsrunde zur Dritten Liga entgegen sehen, sportlich kastriert, noch bevor sie ihre bislang erfolgreiche Saison krönen können. Das ist bitter, aber so geht es nun einmal zu im Dschungel Profifussball. Doch wer hat ebenfalls keine Beute gemacht? Der am nächsten liegende – und somit natürlichste – Fressfeind.

6 Gedanken zu “Fanblog: Zwischen Gestern und Morgen – Warum das Heidenheim-Spiel nicht abgeschenkt werden darf

  1. Wie immer ein guter Artikel, Danke!
    Zum Thema zweite Mannschaft ein Ausschnitt von der DFB Webseite https://www.dfb.de/news/detail/bei-bundesliga-abstieg-was-passiert-mit-zweiten-mannschaften-144294/

    Was ist bei zweiten Mannschaften von Drittligisten grundsätzlich zu beachten?

    Siehe Anmerkungen in Fall 2. Die zweiten Mannschaften von Drittligisten dürfen maximal in der Oberliga (5. Liga) antreten. Für die Regionalliga sind die zweiten Mannschaften von Drittligisten nicht zugelassen. Ein Aufstieg in die Regionalliga (und dann auch in die 3. Liga) ist erst möglich, wenn das Profiteam des betreffenden Klubs den Sprung in die 2. Bundesliga schafft.

    Das ist natürlich bitter, legt aber nahe, die Saison der zweiten Mannschaft abzuschenken, um potentielle Drittligaspieler möglichst schnell in der Ersten zu integrieren. Wie auch immer, der Abstieg des FCK ist eine Tragödie, deren Ausmaß man erst nach und nach realisieren muss.

    • Hallo, Micha,

      danke für den Hinweis. Der Text wurde entsprechend geändert.

      Gruß,
      Eric

  2. Als Saarländer kann ich bestätigen: Schmitt und/oder Behrens hätten dem FCK gut zu Gesicht gestanden. Gerade im Offensiv-Bereich tun sich mit den Abgängen von Andersson, Spalvis und Osawe die größten Lücken im FCK-Kader auf. Wenn man aufsteigen möchte, brauison cht man mindestens einen Stürmer, der eine zweistellige Zahl an Toren garantiert. Einen solchen zu finden ist in userer Situation sicher nicht einfach. Momentan gehe ich von einer schwierigen Saison aus. Ein von vielen bereits angezählter Trainer, dazu wohl ein unvollständig neuer Kader, der bei erfolgreicher Ausgliederung wohl frühestens im Winter nachgebessert werden könnte… alles sehr schlechte Vorzeichen für einen erfolgreichen Neustart.

  3. Es gibt sicherlich ein paar Spieler aus der aktuellen Truppe, die man mit in Liga 3 nehmen sollte (Fechner, Abu Hanna, Borrello, Müsel, Seufert) – über Correia, Halfar und Pritsche lohnt es auch nachzudenken, wenn Ihre Vertäge entsprechend reduziert werden. Allerdings braucht die Truppe DRINGEND Führungsspieler. Am besten solche zwischen 25-30 Jahren, die die 3.Liga bereits kennen darunter ein Abwehrchef, ein Sechser/Achter und ein Torjäger.

    Anschließend das Ganze mit A-Jugendspielern und Jungs von den Amas auffüllen, sowie mit Leihspielern (Talente) aus der Bundesliga.

    Selbst dann ist der Wideraufstieg nur sehr schwer zu erreichen.

  4. Hallo Blogwart, ich nehme an das Thema „Ausgliederung“ wird von Dir in den nächsten Wochen noch ausführlich behandelt werden.

    Was mir dazu in der bisherigen Situation viel zu kurz kommt ist die Frage nach der Rückzahlung der Anleihe (2019). Ehrlich gesagt schockiert mich, dass der Vorstand hierzu überhaupt nichts konkretes sagt und stattdessen (zumindest unterschwellig) den Eindruck vermittelt, dass bei Nicht-Wiederaufstieg die Anleihe nur mittels eines Investors zurückzuzahlen wäre, sprich der Verein sonst insolvent wäre.

    Bis zum 3.Juni sollten Bader&Klatt dies möglichst glaubhaft widerlegen, da ich das Szenario „Wir-verkaufen-uns-schnellstmöglich-an-irgendeinen-Investor-egal-zu-welchen-Konditionen“ ganz sicher nicht mit meiner Stimme unterstützen werde.

  5. Ich bin Dem Club seit 2010 gefolgt. Lassen Sie Bader in Frieden arbeiten und ich bin optimistisch, dass er die sportlichen Strukturen von FCK reparieren und wieder herstellen wird. Ich bin allerdings überrascht, dass er seinen Lieblingschef-Scout Christian Möckel nicht zum FCK gebracht hat.

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