Fanblog: Die ersten Personal- und Etat-Weichen sind gestellt – Die Hoffnung auf Ausbildungsentschädigungen ist jedoch äußerst vage

Mit der Weiterverpflichtung des litauischen Nationalspielers Lukas Spalvis (23) bis 2022 haben die Personalplaner des 1. FC Kaiserslautern ein erstes hoffnungsfroh stimmendes Zeichen für die kommende Saison gesetzt. Am Dienstag gab der Klub die ablösefreie Verpflichtung des Flügelspielers Christoph Hemlein von Arminia Bielefeld bekannt – ein Typ, der ins Profil passt, das Sportvorstand Martin Bader vorgegeben hat: Der 27-Jährige kennt die Dritte Liga bereits aus insgesamt 98 Partien, in denen er 17 Tore schoss und 17 weitere vorbereitete. Und gilt als einer, der sich „reinhaut“. So darf es weitergehen.

Keinen Hehl machen die Verantwortlichen aus ihrem Ziel, den direkten Wiederaufstieg anzupeilen – das kann und darf angesichts der wirtschaftlichen Umstände auch nicht anders sein. Der 1.FCK Kaiserslautern wäre in der zehnten Saison der eingleisigen Dritten Liga der sechste Klub, dem dieses Kunststück gelingt. Zuvor kehrten schon der VfL Osnabrück (2009/10), Hansa Rostock (2010/11),  Arminia Bielefeld (2014/2015), Karlsruher SC (2012/13) und der MSV Duisburg (2016/2017) nach nur einem Jahr ins Unterhaus zurück. 

Der KSC hat diese Saison die Gelegenheit, den direkten Wiederaufstieg erneut zu packen. Er wird als Tabellendritter die Relegationsspiele gegen den Tabellen-16. der Zweiten Liga bestreiten. Gegen wen, entscheidet sich erst am 34. Spieltag. In der Verlosung sind noch Greuther Fürth, Braunschweig, Aue, Dresden, Darmstadt und Heidenheim.

FÜNF MILLIONEN ETAT SIND DURCHAUS TOP – WENN ER ZU HALTEN IST

Die Karlsruher haben in dieser Saison übrigens mit einem Lizenzspieleretat von 5,3 Millionen Euro gewirtschaftet. Das sind 300.000 Euro mehr, als der Lautern einplant. Allerdings ist Finanzvorstand Michael Klatt noch am Rotieren, dass diese selbst gesetzten sowie die für die Drittliga-Lizenz notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen eingehalten werden können. Der vor wenigen Tagen verkündete Ausstieg von Hauptsponsor „Top 12“ hat die Sache noch einmal erschwert.

Mit Transfereinnahmen, die den Haushalt in den vergangenen Jahren den Haushalt immer wieder ausgeglichen haben, kann der FCK in diesem Sommer bekanntlich nicht kalkulieren. Durch den Abstieg erlöschen die Verträge nahezu aller Spieler, wodurch sie ablösefrei auf den Markt kommen.

SCHADE: FÜR HEINTZ, LÖWEN, ZIMMER UND TRAPP FLIESST WOHL NICHTS 

Und die Hoffnung, eventuell noch etwas an sogenannten Ausbildungsentschädigungen einzunehmen, ist äußerst vage. Obwohl aktuell vier Spieler, die zwischen dem 12. und dem 23. Lebensjahr dem FCK angehörten, immer mal Gegenstand von Wechselgerüchten sind: Dominique Heintz (1. FC Köln), Eduard Löwen (1. FC Nürnberg), Jean Zimmer (von Stuttgart nach Düsseldorf verliehen) und Kevin Trapp (Paris St. Germain).

Dumm nur: Wenn überhaupt, wechselt wohl keiner dieser Spieler ins Ausland, und nur dann werden diese Ausbildungsentschädigungen fällig, die bis zu fünf Prozent der Ablöse betragen können. Dominique Heintz wird von Schalke und Dortmund umworben, zudem ist seine Transferentschädigung laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit nur drei Millionen Euro festgeschrieben. An Löwen baggerte ebenfalls Schalke, doch der bleibt wohl in Nürnberg. Und Zimmer kehrt mit einiger Sicherheit nach Stuttgart zurück, da der VfB auf der rechten Abwehrseite Personalbedarf hat. 

Auch die Wechselgerüchte um Trapp nach Dortmund haben sich mittlerweile erledigt. Schade, bei seinem Wechsel von Frankfurt nach Paris 2015 wurden 9,5 Millionen Euro Ablöse fällig, und der FCK strich davon rund 300.000 Euro ein. Ein Betrag, der von den Medien damals bestenfalls als Randnotiz erwähnt wurde. Für den heutigen Drittligisten wärs ein fette Zusatzeinnahme.

NOTZON: PHYSISCH PRÄSENT SEIN, ABER AUCH FUSSBALL SPIELEN

Sportdirektor Boris Notzon äußerte sich am Sonntag nach dem 1:0-Sieg über Heidenheim dennoch zuversichtlich, dass der Fünf-Millionen-Etat gehalten werden kann. Er will einen Kader zusammenstellen, der „physisch präsent ist, aber auch Fußball spielen kann“. Mehr über die Ausrichtung des künftigen FCK-Teams zu verraten, wär zum gegenwärtigen Zeitpunkt und zwischen Tür und Angel auch nicht angezeigt gewesen.

Die künftige Grundordnung sollte allerdings schon eine Rolle bei der Kaderplanung spielen. Schließlich gehört zu den wenigen Spielern, die für die kommenden Saison bereits unter Vertrag stehen, Halil Altintop. Für Drittliga-Verhältnisse ein Topstar: 38 Länderspiele für die Türkei, 351 Einsätze in der Bundesliga, 67 Tore. Allerdings schon 35 Jahre alt. 

Seine bisherigen Einsätze haben gezeigt, dass er mit seinem Passspiel das Team durchaus noch bereichern kann, allerdings kommt er altersbedingt nicht mehr so gut in Zweikämpfe und ist zu langsam geworden, um am Flügel zu agieren.

WIE ALTINTOP AM BESTEN ZUR GELTUNG KOMMT

Daher war es für Trainer Michael Frontzeck bislang schwer, für Altintop dauerhaft einen  Platz in der Startelf zu finden. Da Osayamen Osawe seine größte Wirkung als zweiter Stürmer neben einer echten Neun in einem 4-4-2 entfaltete, gab es keine Zehnerposition, die für Altintop ideal wäre. Von daher wäre anzuraten, für die neue Saison mit einem 4-2-3-1 als Grundordnung zu planen.

Oder aber, Michael Frontzeck holt sich ein wenig Inspiration aus Italien, um die Qualitäten seines Altstars optimal einzubinden. Etwa bei Antonio Conte, der bei Juventus Turin ein System eigens und sehr erfolgreich für Andrea Pirlo maßschneiderte: Ein 5-3-2/3-5-2, mit dem Dirigenten und Taktgeber auf der Sechs, umrahmt von einer Dreierkette hinter sich und vor und neben sich zwei Achter wie Pogba und Vidal, die auch ackern können. 

Oder das 4-3-3 des AS Rom, in dem Francesco Totti noch mit über 35 Lenzen Top-Leistungen brachte: Als permanent zwischen der Neuner- und der Zehner-Position pendelnder zentraler Offensiver, mit zwei Sturmkollegen neben sich, die nicht nur die Flügel bespielen, sondern auch im Zentrum zuschlagen.

Wie? Die Diskussion ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu abgehoben? Mag sein. Das Falscheste wär jedoch zu sagen: Für die Dritte Liga wird’s bei Altintop auf jeden Fall noch reichen… Denn in punkto Tempo und Zweikampfhärte stellt die Dritte Liga nicht weniger Anforderungen als Zweite.

7 Gedanken zu “Fanblog: Die ersten Personal- und Etat-Weichen sind gestellt – Die Hoffnung auf Ausbildungsentschädigungen ist jedoch äußerst vage

  1. Hallo und guten Tag,

    wg. Relegation „in der Verlosung sind noch…- und was ist mit Braunschweig?“

    Grüsse

    AD

    • Hallo, Alex,

      Braunschweig hatte ich in der Tat vergessen… Wird sofort nachgetragen.

      Gruß,
      Eric

  2. Hallo Eric,
    danke für die schnelle und professionelle Antwort. Der Blog ist toll, viel niveauvoller als „Der Betze brennt“ (schaue ich schon lange nicht mehr rein). Kurzvorstellung: Jahrgang 1960, verh., 1 Kind, FCK-Mitglied seit dem 01.08.1971, Mitglied-Nr. 486, lange in Lautern gewohnt, jetzt wohnhaft in Malta (FCK sehr bekannt wg. M. Mifsud!). Ich glaube, das sagt alles. Vor ein paar Tagen war in der SZ auch ne gute Story von einem Lauterer Lehrer (Hammerschmidt?) über den FCK. Bin mal auf den Film im SWR gespannt morgen (hoffentlich kann ich diesen hier empfangen).

    Viele Grüße in die alte Heimat

    AD

  3. Hi Blogwart,

    was macht Dich denn so sicher, dass wir für unsere ex-Spieler nichts mehr bekommen?
    Der Wechsel von Heintz innerhalb der Bundesliga scheint ziemlich sicher und auch Fortuna Düsseldorf soll Jean Zimmer behalten wollen. Vielleicht verbockt Fuschl am See auf den letzten Metern auch noch die Qualifikation für das internationale Geschäft und Willy Orban wechselt.

    Warum ich das erwähne obwohl Du die Ablösemodalitäten doch eindeutig erklärt hast? Wir alle erinnern uns, dass im Sommer 2016 die drei o.g. drei U21-Nationalspieler für unverständlich niedrige Ablösesummen (DH:1,5Mio, JZ&WO: jeweils 2,0Mio) verkauft wurden.

    Da wäre es doch äußerst töricht von unserem großen ex-Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz gewesen, sich nicht nur bei den Ablösesummen für unser Tafelsilber über den Tisch ziehen zu lassen, sondern auch noch die Beteiligung an den Weiterverkaufserlösen vergessen zu haben.

    Nein, dass kann so einem erfolgreichen und (vor allem!) weitsichtigen Vollprofi wie Stefan Kuntz sicher nie passiert sein.

    • Hallo, Wutti,

      In die Verträge gucken durfte ich natürlich nicht. Aber ich hab schon jemanden gefragt, der es eigentlich wissen sollte. Und der hat gesagt: In den genannten Fällen seien ihm keine Weiterverkaufsklauseln bekannt, aus denen der FCK (wörtlich) „was Größeres“ erwarten könnte. Die erwähnten Ausbildungsentschädigungen werden nur bei Verbandswechseln fällig, also ins Ausland.

      Zu Willi Orban existierte bei der Niederschrift dieses Beitrags kein Wechselgerücht, zu Jean Zimmer war der aktuelle Stand der Dinge, dass Korkut ihn zurückhaben will. Dass sich solche Nachrichtenlagen auch schnell wieder ändern können, muss ich dir ja wohl nicht erklären.

      Es könnte also sein, dass der weitsichtige Vollprofi vielleicht doch suboptimal im Sinne unseres Vereins agiert hat. Allwissenheit habe ich mir aber noch nie angemaßt.

      Beste Grüße,
      Eric

    • Jep. Zwei Prozent. Wär echt geil. Erstaunlich nur, dass West Ham soviel für ihn latzen will. Der hat doch kaum gespielt die Saison,,,,

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