Analyse: Ein Sommerkick, gut für die Seele, aber auch fürs Standing – Die Dritte Liga kann kommen

Okay, es war im Grunde nur noch ein Freundschaftsspiel und wurde über weite Strecken auch so geführt. Dennoch war der 3:1-Sieg, den der 1. FC Kaiserslautern seinen 2000 mitgereisten Fans zum Abschied aus der Zweiten Liga schenkte, gut für die Seele, und sogar noch ein bisschen mehr. Mit zwei Siegen in Folge zum Saisonausstieg hat Michael Frontzeck sich nun doch noch ein gutes Standing beim Anhang geschaffen, auf dem er auch eine Etage tiefer aufbauen kann. Das ist nach einem Abstieg keinesfalls selbstverständlich. Auch wenn der Neubeginn auf dem Rasen unausweichlich ist: Von den 14 Akteuren, die sich am Sonntag noch einmal im FCK-Trikot über den Platz bewegten, sind bislang lediglich drei sicher in der Dritten Liga dabei, realistische Chancen auf einen Verbleib gibt es bei maximal noch zwei weiteren.

Zu den vielen schönen Zahlengebilden, die sich Statistiker so einfallen lassen, zählte diese Saison ohne Frage die „Frontzeck-Tabelle“, die ausschließlich die Spieltage berücksichtigt, in der der ehemalige Gladbacher den FCK betreute: Also den 19., welcher das Nachholspiel gegen Darmstadt (2:1 für Lautern) beinhaltete, sowie die Runden 21 bis 34. Nach dieser belegt der FCK Rang 4. 

Wir rechnen lieber konservativ, doch spricht das Ergebnis ebenfalls für Frontzeck. 15 Spiele saß er beim FCK auf der Bank, 23 Punkte hat er geholt. Das ergibt einen Schnitt von 1,53 Zählern. Was auf 34 Spiele hochgerechnet 52 wären. Mainz 05 ist mit 54 Punkten mal in die Erste Liga aufgestiegen…

DENNOCH: ES WAR NICHT NUR DIE SCHLECHTE VORRUNDE

Okay. Vorbei ist vorbei. Am Ende fehlten zwei Siege, um auf die 41 Punkte zu kommen, die zum Überleben gereicht hätten. Einer weniger, und die Relegation wäre drin gewesen. Braunschweig dagegen muss mit 39 Punkten runter, als Tabellenvorletzter. Es war schon eine verrückte Saison.

Und obwohl unbestritten bleibt, dass die katastrophale Vorrunde mit nur 12 Punkte am Ende eine schwere Hypothek war: Auch unter Frontzeck hätte die Wende noch geschafft werden können. Den endgültigen Knockout versetzte  den Lautrern die Niederlagenserie gegen Bochum, Dresden und Bielefeld. Da war sicher Pech dabei, da hatte der FCK sicher auch seine starken Phasen, sich schlussendlich aber auch zu lange Schwächeperioden und zu viele Fehler geleistet.

ACH JA, DER PHILIPP – WIR WERDEN IHN VERMISSEN 

Die waren auch im Sommerkick gegen Ingolstadt noch ein letztes Mal zu erkennen. Erneut nach einem sehr konzentrierten Start der Lauterer, in dem sie zunächst die Kontrolle übernahmen, durch Sebastian Andersson auch die erste Chance verzeichneten.

Danach aber überließen die Pfälzer den Schanzern das Feld, bis Philipp Mwene noch vor der Pause mit einem Doppelschlag dann doch die Seinen auf die Siegerstraße führte. Direkt nach dem Wiederanpfiff bereitete der kleine Ösi  auch das 3:0 durch Andersson vor, ehe der Ex-Lauterer Marcel Gaus Ingolstadt wieder ins Spiel brachte. Der Rest war ein gefälliges Auf und Ab, das analytisch nicht weiter von Belang sein soll.

Ach ja, der Philipp Mwene. Was hat er uns für Spaß gemacht in den vergangenen beiden Jahren. Was hat er sich zunächst anhören müssen nach dem mit 3:4 verlorenen DFB-Pokalspiel in Halle im August 2016. Doch wie emsig hat er sich anschließend hineingeschafft in die Mannschaft, sich prächtig entwickelt – und in dieser Rückrunde ist er jetzt sogar noch zum Knipser geworden… Wir werden ihn vermissen. Auf dem Platz und in der Mixed Zone.

Obwohl er vor den „Flutlicht“-Kameras des SWR am Sonntagabend noch arg herumdruckste, was seine Zukunft angeht. Aber bleiben wir realistisch: Die Chance, ihn halten zu können, ist gleich null. Wie auch die übrigen 13 Spieler, die gestern noch einmal aufliefen. 

DAS KOMMEN UND GEHEN IST IN VOLLEM GANGE

Der lediglich eingewechselte Christoph Moritz hat seinen Abgang längst angekündigt, laut SWR ist der Hamburger SV dran. Ebenso ließ Mads Albaek schon verlauten, dass die Dritte Liga ihn nicht interessiert – schade, auch gestern gefiel der Däne wieder mit ein paar coolen Vertikalpässen, wie man sie etwa bei Moritz nicht so oft sieht.

Sebastian Andersson und Osayamen Osawe befinden sich laut „Rheinpfalz“ ebenfalls auf dem Absprung, Stipe Vucur wird verschiedenen Quellen zufolge mit Sturm Graz in Verbindung mitgebracht. Die am Sonntag eingesetzten Leihspieler Leon Guwara – sehr stark übrigens – und Ruben Jenssen sind ohnehin weg.

Bereits fest gebucht aus der gestrigen Mannschaft sind lediglich Keeper Jan-Ole Sievers, Gino Fechner und der eingewechselte Halil Altintop. Chancen auf einen Verbleib darf man sich vielleicht noch bei Benjamin Kessel und Marcel Correia ausrechnen. 

Für beide ist die Saison sicher nicht so gelaufen, wie sie – und auch die sportlich Verantwortlichen – es sich vorgestellt hatten, aber als erfahrene, aus der Region stammende Spieler, könnten sie in der Dritten Liga durchaus noch zu  Korsettstangen werden. Sollte der FCK allerdings, wie spekuliert wird, tatsächlich den nunmehr 33-jährigen Rechtsverteidiger Florian Dick aus Bielefeld zurückholen, könnte es für Kessel eng im Kader werden.

DER FCK 2018/19: ERSTE GESICHTSZÜGE SIND SCHON ERKENNBAr

Ansonsten ist noch offen, wie viele seiner Youngster der FCK weiter binden kann. Laut „SWR“ baggert Zweitliga-Aufsteiger Magdeburg an Joel Abu Hanna, der MSV Duisburg an Manfred Oswei Kwadwo. Unklar ist auch noch, ob Toptalent Torben Müsel gehalten werden kann, der am kommenden Sonntag mit der U19 des FCK in Berlin das DFB-Pokalfinale der A-Junioren bestreitet.

Dennoch ist beim FCK-Team 2018/19 bereits ein Gesicht erkennbar. Die drittligaerfahrenen Christoph Hemlein (Bielefeld) und André Hainault (Magdeburg) sind schon engagiert, mit der Weiterverpflichtung von Lukas Spalvis gelang ein echter Coup, Florian Pick kommt aus Magdeburg zurück. Laut „liga3-online.de“ steht auch das 21-jährige Sturmtalent Elias Huth, von Hannover zuletzt nach Erfurt verliehen, vor einem Wechsel zum FCK. Spekuliert wird darüber hinaus über eine Rückkehr von Hendrick Zuck aus Braunschweig.

Das sieht also alles gar nicht so schlecht aus, sportlich zumindest. Und „Aufbruchsstimmung“ braucht beim FCK nicht mehr in Charts von Marketingheinis proklamiert zu werden. Die haben die Fans auf der Tribüne bereits geschaffen. In Ingolstadt feierten 2000 rot-weiße Seelen ihre Absteiger.

Und hier, zum letzten Mal in dieser Saison, die Position- und Passgrafik von „11tegen11.“ Wir sehen ein ordentlich strukturiertes 4-4-2 mit leicht asymmetrischen Flügeln: Jenssen bewegt sich eben lieber in die Mitte, Mwene marschiert mehr nach vorne, was sich nicht zuletzt ja auch in seinen beiden Treffern niedergeschlagen hat. Die Linkslastigkeit des Lautrer Spiels kommt in dieser Visualisierung diesmal nicht so gut zum Ausdruck. Vorhanden war sie dennoch.

2018-05-06 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - FC Heidenheim.jpg

Ein Gedanke zu “Analyse: Ein Sommerkick, gut für die Seele, aber auch fürs Standing – Die Dritte Liga kann kommen

  1. Wie die Engländer sagen, „der König ist tot, lang lebe der König“. Endlich hat der FCK einen sehr lang erwarteten und dringend benötigten Neustart, und damit meine ich das richtige Management-Personal, das mit Bader und Frontzeck beauftragt ist. (Gerry Ehrmann verdient besondere Erwähnung für seine Hingabe und Liebe zum FCK). Eine frische Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern wird das neue Team bilden. Ich freue mich auf die neue Saison.

Kommentar verfassen