Fanblog: Der U19-Nachwuchs scheitert im Finale, offenbart aber gute FCK-Gene

Es wär einfach zu schön gewesen, hätte die U19 des 1. FC Kaiserslautern ihren Anhängern zum Saisonabschluss wenigstens noch einmal einen kleinen Pokal geschenkt. Leider reichte es dafür nicht ganz. Die Jungs mussten sich im Finale des DFB-Junioren-Pokals dem Nachwuchs des SC Freiburg mit 1:2 geschlagen geben, lieferten dem Rekordsieger – die Südbadener sicherten sich diesen Pott nunmehr zum sechsten Mal – jedoch ein packendes Match. Und, noch wichtiger: Das Team offenbarte klassischen FCK-Spirit. Den ein oder anderen werden wir bald in der Ersten Mannschaft auflaufen sehen. Wetten?

Lauterns U19-Trainer Marco Laping hatte wieder zu dem Mittel gegriffen, von dem auch schon unser Gastautor Carsten Krick in seiner Teamvorstellung berichtet hatte: Um dem spielerisch stärkeren Kontrahenten zu begegnen, setzte der Coach auf Physis – und konzentrierte diese in der Spielfeldmitte. Hinten Dreierkette mit Ünal Altintas, Sören Lippert und Leon Hotopp, davor,  als Mittelfeldzentrale, Paul Will und Torben Müsel, der normaler Weise offensiver agiert.

OPTIMALE PHYSIS MIT DREIERBLOCK UND ALLEN 1999ERN, DIE DER KADER BIETET

Aus dem Defensivblock ragt besonders der 1,93 Meter große Lippert hervor. Erstaunlich: Der junge Riese gehört noch dem jüngeren Jahrgang an, wird also auch nächstes Jahr in der A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest auflaufen. Nebenmann Hotopp ebenso. Das Abwehrbollwerk für die kommende Saison  steht also, falls beide am Betzenberg bleiben.

Die Außenbahnen besetzen rechts Antonio Jonjic, links Djibril Diallo. Jonjic ist der Typ Marschierer, beackert die Seitenlinie in voller Länge, hat kurz vor der Pause auch eine gute Einschusschance aus spitzem Winkel. Diallo kickt eleganter, kann auf engem Raum den Ball behaupten und präzise passen. Klasse, wie er in der 22. Minute mit einer direkten Weiterleitung seinen Vordermann Anil Gözütok ins Spiel bringt. „The next Philipp Mwene“ hat Carsten Krick Diallo genannt. Kommt durchaus hin.

Gözütok bildet gemeinsam mit Anis Bakhat das offensive Flügelpärchen. Das allerdings ein wenig asymmetrisch daherkommt. Gözütok, ebenfalls ein eleganter Dribbler, bleibt lieber am Flügel oder zieht in den Zehnerraum, Bakhat gesellt sich immer wieder zu Stürmer Jeffrey Idehen und macht so Platz für den unermüdlich aufrückenden Jonjic.

Bakhat und Gözütok gehören ebenfalls dem jüngeren Jahrgang an. Ansonsten hat Marco Laping alles auf dem Platz, was sein Kader an 1999 Geborenen bietet. Wohl auch, um größtmögliche physische Präsenz herzustellen.

DIE ANGST DER GROSSEN VOR DEN KLEINEN: EIN ELFER LIEGT IN DER LUFT

Zum Spiel: Freiburg hat mehr Ballbesitz, aber nicht unbedingt mehr Torchancen. Die größten Probleme bereitet den wuchtigen FCK-Innenverteidigern der ballgewandte Daniele Bruno, der über die linke Seite kommt. Schon in der Anfangsviertelstunde prüft der FCK-Keeper Lennart Grill, Lautern setzt mit einem Distanzschuss von Paul Will einen ersten Akzent.

Danach setzt Freiburg auf Kombinationsfußball, der FCK auf Umschaltaktionen, die meist Müsel einleitet. Zeitweise erscheint die Spielanlage der Roten die erfolgversprechendere zu sein. Allerdings deutet sich öfter an, dass das Spiel durch einen Elfmeterpfiff für den SC entschieden werden könnte.  Denn nicht nur Bruno, sondern auch der flinke kleine Enzo Leopold am anderen Flügel setzen hochgewachsenen Lautrern am Boden schwer zu. Da liegt es in der Luft, dass einer irgendwann mal über die Klinge springt…

DANN ABER FÄLLT DER TREFFER DOCH PER KOPF

63 Minuten lang stehen die Pfälzer Jungbullen jedoch gut. Hotopp ist der coolste, lässt in der 37. Minute sogar mal als letzter Mann einen attackierenden Freiburger aussteigen. Lippert ist der beherzteste Ausflügler. Altintas dagegen, von Carsten Krick hochgelobt, scheint ein wenig mit Nervosität zu kämpfen.

Und da es im Fußball eben niemals so kommt, wie irgendwelche Besserwisser glauben, fällt der Führungstreffer für Freiburg dann so, wie es angesichts der großen Innenverteidiger in Rot am wenigsten zu erwarten war: per Kopf. Bruno flankt aufs kurze Eck und findet ausgerechnet den Kleinsten: Leopold. Das tut weh.

Doch der Lautrer Nachwuchs besinnt sich auf seine FCK-Gene – die hat man in der abgelaufenen Spielzeit bei den Alten nicht immer gespürt. Sie hauen sich rein, gewinnen die Oberhand – und treffen. Gözütok setzt sich glänzend über links durch, passt zu Müsel, der trifft den Innenpfosten, der eingewechselte Luis Kersthold, ebenfalls einer aus dem 2000er Jahrgang, staubt einmal ab, scheitert, staubt nochmal ab – drin.

Doch leider fällt im direkten Gegenzug das 2:1 für den SC. Bruno flankt erneut. Eigentlich ist das Ding viel zu lange in der Luft, um nicht abgeräumt werden zu können, Carlo Boukhalfa aber bekommt dennoch den Kopf dran.

WAS BLEIBT? EIN HAUFEN GUTER JUNGS MIT PERSPEKTIVEN

Was war geschehen? Hatten sich Lautrer Jungs zu lange über den Ausgleich gefreut?

Entscheidender war wohl: Leon Hotopp war nicht auf dem Platz. Wurde wegen einer blutenden Nase behandelt, die Lautrer sagen, nach einer Tätlichkeit, die Freiburger, nach einem unglücklichen Zusammenprall. Da wir es nicht gesehen haben und die TV-Bilder keinen Aufschluss geben, müssen wir uns da raushalten.

Was bleibt? Ein gutes Spiel und eine unglückliche Niederlage, nach der die FCK-Jungs erhobenen Hauptes vom Platz gehen können.

Und wen davon werden wir bald in der Ersten Mannschaft sehen?

Am nächsten dran wären in der Tat die üblichen Verdächtigen: Grill, Will, Müsel. Will ist jedoch bekanntlich schon weg, versucht sich beim FC Bayern, zunächst wohl in der Zweiten Mannschaft. Für ihn gilt allerdings, was Carsten Krick auch für Lennart Grill sagte: Es muss sich nun erst einmal weisen, wie es um sein Durchsetzungsvermögen bestellt ist, wenn er nun hauptsächlich auf Gegner trifft, die ihm physisch ebenbürtig sind. 

Müsel ist fraglos der wendigere Spieler, könnte beim FCK nächste Saison sehr schön hinter Halil Altintop aufgebaut werden, aber: Borussia Mönchengladbach soll mehr als nur dran sein…

IN DER ERSTEN SIND NOCH INNENVERTEIDIGERPLÄTZE FREI

Özütok, Lippert und Hotopp könnten im zweiten A-Juniorenjahr nun zu überragenden Akteuren reifen und sich direkt für einen Anschlussvertrag bei den Profis empfehlen. Von den übrigen Teammitgliedern des 1999er Jahrgangs  wünscht man sich, dass sie wenigstens der U21 erhalten bleiben. Da scheint der ein oder andere, Jonjic etwa, sich noch zu entwickeln. 

In der Ersten Mannschaft sind die meisten Stellen ohnehin noch auf den  Innenverteidigerpositionen frei. Bislang steht dort lediglich André Hainault aus Magdeburg unter Vertrag, die Weiterverpflichtung von Stipe Vucur ist offen, tendenziell aber unwahrscheinlich.

Mit Marcel Correia und Benjamin Kessel will der FCK laut „kicker“ nicht verlängern, von einem Drittligakontrakt für Giuliano Modica ist bislang weder etwas zu hören noch zu lesen. Eine Chance für Altintas also. Allerdings sollen auch Lukas Gottwalt und Nino Miotke aus U21 Kandidaten für einen Vertrag bei den Profis sein.

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