Extrablog: „Der FCK braucht Eigenkapital, aber auch wieder Vertrauen und Glaubwürdigkeit“ – Im Gespräch mit Dieter Buchholz

Am Sonntag, 3. Juni, können die Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern ihrem Verein den vielleicht letzten Weg in eine bessere Zukunft öffnen – oder schließen. Die Vereinsführung des FCK will die Fußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft auslagern – und benötigt dafür 75 Prozent der Stimmen, die bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung (Beginn: 11 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) abgegeben werden können. Die Verantwortlichen nutzen seit Wochen alle Medien, um für die Ausgliederung zu werben. Und sie stoßen auch auf Unterstützung von einem, der in den letzten Jahren vornehmlich als unangenehm kritischer Geist auffiel: Dieter Buchholz. Das einstige Aufsichtsratsvorsitzende, glühender FCK-Fan von Kindesbeinen an, findet aus Sorge um seinen Herzensverein bisweilen keinen Schlaf mehr. Die Ausgliederung sei die letzte Chance, dessen wirtschaftliches Überleben zu sichern. Weshalb, erklärt der 75-jährige im ausführlichen Gespräch.

Herr Buchholz, Sie haben unlängst auf einer Podiumsdiskussion in Kaiserslautern erklärt, Sie wären früher gegen eine Ausgliederung gewesen, heute sind Sie dafür. Können Sie uns diesen Sinneswandel einmal nachvollziehbar machen?

Ganz einfach: Ich war der Meinung, dass wir bereits einen Investor an der Hand haben sollten, ehe wir ausgliedern. Denn in diesem Fall könnten wir mit ihm erst einmal darüber reden, welche Rechtsform er sich für eine Partnerschaft vorstellt. Jetzt wollen wir in eine GmbH & Co. KGaA (das hintere Kürzel steht für „Kommanditgesellschaft auf Aktien“ – die Red.) ausgliedern. Die mag ihre Vorteile haben, aber was geschieht, wenn wir einen starken Partner finden, der sich etwas Anderes vorstellt?

Der wesentliche Vorteil, von dem Sie ja auch sprechen, ist wohl der, dass in dieser Rechtsform gewählte Aufsichtsratsmitglieder des Vereins auch die Mehrheit im Kontrollorgan der neuen Gesellschaft besitzen…

Dieses Argument kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Allerdings: So, wie die Aufsichtsräte des Vereins in den vergangenen neun Jahren ihrer Kontrollpflicht nachgekommen sind, darf man sich schon fragen, weshalb es so gut sein soll, wenn Aufsichtsräte des Vereins die Mehrheit stellen.

Zu diesem Thema kommen Sie in Andreas Erbs Buch „Betze Leaks“, das wir ja auch in diesem Blog besprochen haben, ja ausführlich zu Wort…

In den vergangenen neun Jahren haben Vorstandsmitglieder des FCK auf jeder Jahreshauptversammlung Zahlen präsentiert, die nicht korrekt waren, und wiederholt die Unwahrheit gesagt. Und die Aufsichtsratsmitglieder wussten dies  größtenteils, haben aber geschwiegen. Das lässt sich einfach nicht mehr leugnen.

Dennoch treten Sie jetzt entschieden dafür ein, am 3. Juni für die Ausgliederung zu stimmen… 

Unbedingt. Weil ich darin die letzte Chance sehe, den Verein wirtschaftlich am Leben zu erhalten.

Es geht darum, so schnell wie möglich an frisches Geld zu kommen, um den  gewaltigen finanziellen Belastungen Herr zu werden…

Natürlich braucht der FCK in erster Linie Eigenkapital, um wieder auf die Beine zu kommen. Und in der gewählten Form könnte dies auch recht zügig gelingen. Ein anderer Punkt ist für mich jedoch ebenso wichtig: Die Mitglieder müssen mit ihrem Abstimmungsergebnis am 3. Juni demonstrieren, dass ihre   neu gewählte Vereinsführung ihr Vertrauen genießt und sie diese für glaubwürdig halten. Das ist doch das wichtigste Zeichen überhaupt, das man potenziellen Investoren geben kann. Denn diese werden diese Versammlung mit Sicherheit sehr genau verfolgen. Stellen Sie sich mal vor, wir präsentieren uns weiter als Verein, der seiner eigenen Führung nicht mehr vertrauen kann…

Das sagt einer der härtesten Kritiker der ehemaligen Aufsichtsräte und Vorstände in den vergangenen Jahren… Genießt die aktuell gewählte Vereinsspitze denn Ihr uneingeschränktes Vertrauen?

Ja. Patrick Banf, Michael Littig und Jochen Grotepass sind Persönlichkeiten im Aufsichtsrat, die ich, glaube ich, recht gut einschätzen kann. Sie sind kaumännisch kompetent, haben unternehmerischen Sachverstand und können eine Bilanz lesen – und, das muss man leider auch sagen, sie wüssten auch, wie Insolvenz geht, wenn es tatsächlich zum Äußersten kommt. Jochen Grotepass ist übrigens in der Vergangenheit bei Jahreshauptversammlungen ebenfalls öfter ausgepfiffen worden, wenn er kritische Nachfragen gestellt und manche Darstellungen in Zweifel gezogen hat. Schon allein darin sieht man, dass wir auf einer Wellenlänge liegen.

Mit dem Kapital, das durch die Ausgliederung gewonnen wird, soll ja auch die Fananleihe in Höhe von 6,7 Millionen Euro zurückgezahlt werden, die im 2019 fällig wird. Gibt es dazu überhaupt eine Alternative?

Für mich nicht – diese Fananleihe schwebt über dem Verein wie ein Damoklesschwert. Wie sollte diese Alternative denn aussehen? Die Fananleihe verlängern oder neu auflegen? Ich glaube nicht, dass ein solcher Versuch irgendeine Chance auf Erfolg hätte. Es ist ja noch nicht mal nachvollziehbar, wie die bestehende Fananleihe eingesetzt worden ist. Jedenfalls nicht dafür, wofür sie eigentlich vorgesehen war: das Nachwuchsleistungszentrum am Fröhnerhof neu zu bauen. 

Die Ausgliederung in die vorgesehene Rechtsform bietet auch die Möglichkeit, die Fananleihe in Vereinsanteile umzuwandeln. Ein Erfolg versprechender Weg?

Anbieten kann und sollte man dies, und ich bin auch überzeugt, dass die Fans und Mitglieder, die kleinere Beträge zur Verfügung gestellt haben, diese Offerte nutzen würden. Aber ein großer finanzieller Vorteil wird daraus nach meiner Einschätzung wohl nicht stehen. Vor allem die institutionellen Anleger, die  die Anleihe gezeichnet haben, werden ihr Geld wohl zurückhaben wollen. Ich schätze mal, dass von den 6,7 Millionen Euro maximal 1,5 bis zwei Millionen Euro umgewandelt werden können. Im übrigen lässt sich eine solche Umwandlung auch technisch gar nicht so einfach vollziehen. Von daher wäre es schön gewesen, wenn der Verein die Anleger zwischenzeitlich mal wenigstens in Ansätzen informiert hätte, wie dies vonstatten gehen könnte. Geredet wird über diese Möglichkeit schließlich schon seit zwei Jahren.

Außer auf der Beteiligung von Mitgliedern und Fans will die neue Gesellschaft künftig noch auf drei weiteren Säulen stehen: Regionalen Unternehmen, stillen Teilhabern und sogenannten Ankerinvestoren. Wie schätzen Sie da die Potenziale ein?

 Zu den regionalen Unternehmern gehöre ich Gerüchten zufolge ja selber. Die gibt es sicherlich, allerdings muss ich auch sagen: Wie eine solche Beteiligung aussehen könnte und welche Beträge da im Raum stehen, darüber hat mit mir zumindest noch keiner gesprochen. Zu einem eventuellen stillen Teilhaber kann ich nichts sagen, da ich ja kein Amt beim FCK mehr ausübe. Ich habe lediglich gehört, dass es da jemanden geben soll, der an einer solchen Beteiligung interessiert ist. Und wer der große Ankerinvestor werden soll, den manche ja auch als „weißen Ritter“ bezeichnen –, auch dazu kenne ich auch nur die diversen Gerüchte, die um den Betzenberg kreisen. Ich bin allerdings überzeugt, dass da intensiv Gespräche geführt werden.

Sie hatten ja mal einen Investor an der Hand, wie in „Betze Leaks“ nachzulesen ist.

Ja, die DVAG war ein Partner, wie ihn der FCK so schnell nicht mehr finden wird. Da ging es nicht nur ums Geld, da bestand eine echte, tiefe Verbundenheit zum Verein. Aber leider hat sich in die entscheidenden Gespräche Fritz Grünewalt ohne jegliche Kompetenz eingemischt, obwohl er zu dieser Zeit noch gar keine Funktion im Verein hatte. Daran ist damals, im Jahr 2008, alles gescheitert.

Damals stand der FCK ebenfalls vor dem Abstieg in die Dritte Liga, war für einen Investor also auch damals nicht gerade attraktiv. Wie haben Sie denn DVAG für den Verein begeistern können?

Ich hab unter anderem mit den 1954er Weltmeistern des 1. FC Kaiserslautern argumentiert: Die stehen für Bodenständigkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Korrektheit – das sind Werte, mit denen sich gerade auch im Geldanlagegeschäft gut werben lässt. Es wäre schön, wenn der FCK mit diesen Pfunden auch in Zukunft wieder wuchern könnte.

Daher noch einmal meine Bitte: Stimmt am 3. Juni möglichst geschlossen für die Ausgliederung! Eine Ablehnung wäre ein weiterer Schritt Richtung GAU.

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