Fanblog: Nach der Ausgliederung – Um für Anleger so richtig sexy zu werden, bleibt dem FCK keine Zeit

Über dem Betzenberg rötet sich gegenwärtig ein neuer Morgen. Die Ausgliederung der Fußballabteilung ist beschlossen, die Verantwortlichen können nun mit dem Geld einsammeln beginnen. Es könnte ein schöner Tag werden… wohlgemerkt: könnte. Denn bis die Sonne jedoch wieder so hell und freundlich wie einst über dem Fritz-Walter-Stadion erstrahlt, müssen sich einige Wolken noch verziehen.  Dennoch: Die Signale, die potenziellen Investoren in der jüngsten Zeit gesetzt wurden, stimmen optimistisch. Allerdings sollte man sich auch keine Illusionen darüber machen, wohin das erste „frische Geld“ geleitet wird, das gegebenenfalls schon bald  fließt. Einzahlungen in die sportliche Qualität der Mannschaft dürften erst einmal hinten anstehen.

 92,13 Prozent pro Ausgliederung – das ist mehr als ein eindeutiges „Ja“. Das demonstriert vor allem eine neue Geschlossenheit des Vereins, und auch die werden potenzielle Anleger wohlwollend registrieren. Das klare Votum haben sich der Vorstandsvorsitzende Michael Klatt und der Aufsichtsratssprecher Patrick Banf mit ihren überzeugenden Auftritten verdient.

Andererseits: Bei diesen 2084 von insgesamt 2262 Mitgliedern, die zur Abstimmung gekommen waren, dürfte sich am Ende nichts anderes als die banale Erkenntnis durchgesetzt haben, dass dem Verein gar keine andere Möglichkeit blieb als auszugliedern. Zu sehr drücken die bereits bestehenden Verbindlichkeiten, zu bedrohlich wirft der Rückzahlungstermin für die Fananleihe in Höhe von 6,7 Millionen Euro im kommenden Jahr seine Schatten voraus, zu schwer wiegen die Einnahmeverluste, insbesondere an TV-Geldern, durch den Abstieg in die Dritte Liga. Bereits die aktuelle Lizenzvergabe ist abermals „auf Pump“ finanziert worden, wie Patrick Banf einräumte.

AUCH DER ANHANG BEEINDRUCKT POTENZIELLE ANLEGER

Nicht zu unterschätzen sind aber auch die positive Signale, die der Anhang an den letzten beiden Spieltagen der Abstiegssaison setzte. Obwohl der Abschied aus der Zweiten Liga schon nach dem 32. Spieltag besiegelt war, peitschte er die auseinander fallende Mannschaft zu zwei finalen Siegen. Dadurch festigten die Fans nicht nur die Position von Trainer Michael Fronzteck, auf den sich mit einer Niederlagenserie zum Saisonausklang der mediale Druck ungebührlich erhöht hätte. Dabei erzeugte der Anhang vor allem auch Bilder, die potenziellen Anlegern ebenfalls imponieren dürften: Hier darf in einen Klub investiert werden, der noch „Volksverein“ im besten Sinne ist, dessen Zuneigung sich nicht nur am sportlichen Erfolg messen lässt.

Übrigens: Es wird immer davon geredet, dass die Besucherzahlen auf dem Betzenberg seit Jahren sinken. Das mag stimmen, allerdings darf auch mal drauf hingewiesen werden: Der Klub, der vergangene Saison an 29 von 34 Spieltagen auf dem letzten Tabellenrang stand, schloss die Spielzeit mit einem Schnitt von 22.261 Zuschauern ab – das ist der fünftbeste Wert der Zweiten Liga 2017/18.

DER „USP“ FÜR LIGA DREI: GUTER FUSSBALL VOR VOLLEN RÄNGEN

In der kommenden Saison in einer Liga, in der im Schnitt gerade mal 6.181 Menschen ein Fußballspiel besuchen, der Verein zu sein, der im Mittel über 20.000, zu Spitzenpartien vielleicht sogar 35.000 Fans mobilisieren kann – das könnte ein Alleinstellungsmerkmal sein, oder, neudeutsch: „Unique Selling Point (USP)“. Einfacher: Ein Pfund, das einen FCK für Anleger interessant macht. Schließlich wollen Unternehmen doch in erster Linie in positives Image investieren, oder?

 Was aber auch zeigt: Im Grunde bräuchte der Verein nun ein wenig Zeit, ehe er beginnt, Anteile zu veräußern. Zeit, um erst einmal wieder „sexy“ zu werden, mit Siegen, vor allem mit gutem Fußball vor vollen Rängen. Dann ließe sich nämlich auch ein wenig mehr verlangen fürs eigene Fleisch. 

Die Zeit bleibt jedoch nicht. Der FCK benötigt die neuen finanziellen Mittel jetzt.

Priorität haben müssen dabei die 6,7 Millionen Euro für die Fananleihe, die 2019 fällig werden. Als nächstes stellt sich die Frage, wann und wie die entstandenen Verbindlichkeiten sowie die bereits bestehenden beglichen werden sollen. Werden den Kreditgebern nun vielleicht Anteile anstelle von Kreditraten angeboten? Das würde Schulden reduzieren, aber kein frisches Geld bringen.

ES BLEIBT DIE STADIONFRAGE: OB MIT INVESTOR ODER OHNE, EINE LÖSUNG MUSS HER

Nicht minder geboten ist, endlich in der Stadionfrage zu einer befriedigenden Lösung zu kommen. Denn die 425.000 Euro Stadionmiete, auf die sich der Verein mit der Stadt für die kommende Saison geeinigt, entlasten nur kurzfristig, erhöhen aber den Druck in der nächsten Zukunft… Und so geht das schon seit Jahren.

Da die Situation so vertrackt ist, wollen wir sie hier nochmal kurz darstellen. anführen. 3,2 Millionen Euro benötigen Stadt, beziehungsweise Stadiongesellschaft jedes Jahr, um die Zinsen eines 65 Millionen-Kredits zu tilgen, der seinerzeit für den Stadionkauf aufgenommen wurde. Und diese 3,2 Millionen Euro können im Grunde nur vom FCK kommen. Wird die Miete reduziert, summieren sich die gesparten Beträge für irgendwann später auf, in welchen Konstrukten auch immer. Mittlerweile soll der FCK 4,1 Millionen Miete pro Saison zahlen, sobald er irgendwann einmal wieder Erste Liga spielt. 

Wie lange soll dieser Unsinn noch weiter getrieben werden? Bis man bei  200.000 Euro für die laufende Spielzeit angelangt ist – und 25 Millionen in Aussicht stellt, sobald der FCK die Champions League gewinnt?

Dieser Kontrakt, der keine Mietstaffelungen bei eventuellen Abstiegen vorsah, stammt noch aus dem Jahr 2006. Im Grunde hätte ihn weder ein Vertreter der Stadt und noch des Vereins unterschreiben dürfen. Erklärt wird die beiderseitige Fehlleistung von Insidern damit, dass der Vertrag seinerzeit „Spitz auf Knopf“ genäht werden musste, weil dem FCK schon damals der Lizenzentzug drohte. Nachdem er nun aber seit zwölf Jahren bei beiden Vertragspartnern die Probleme lediglich weiter vergrößert hat, sollte nun endlich mit Macht ein Schlussstrich angestrebt werden. Von beiden Seiten.

Optimal wäre es natürlich, wenn nun ein Investor das Dilemma beseitigen  könnte. Wenn nicht, müssen Klatt und Banf eine andere Lösung finden, am besten, gemeinsam mit der Politik. Und denjenigen, die nach wie vor darauf beharren, das Projekt „WM-Stadion Kaiserslautern“ sei in die Pleiten-, Pech- und Pannenserie der damals von Kurt Beck geführten SPD-Landesregierung einzureihen, sei es es an dieser Stelle nochmals getrommelt und gepfiffen: An der Lautrer Stadtspitze stand damals die CDU. 

Will sagen: Alle sind aufgerufen, sich was Intelligentes einfallen zu lassen.

Man sieht: Geld in sportliche Qualität zu investieren, dürfte erst einmal hinten anstehen. Insofern war es vielleicht ein wenig übermütig von Sportvorstand Martin Bader anzukündigen, dass vielleicht schon in der Winterpause Geld in seinen Bereich fließe.

NICHT MEHR VON TRANSFERERLÖSEN LEBEN MÜSSEN? SCHÖN WÄR’S 

Ebenso ist die Erklärung, „wir wollen kein Ausbildungsverein für andere Klubs sein, sondern für uns selbst“, und auch nicht mehr von Transfererlösen „abhängig“ sein zu wollen, mit Vorsicht genießen. Sofern Bader damit gemeint hat, künftig weniger Leihspieler unter Vertrag zu nehmen, von deren Marktwertentwicklung im Trikot der Roten Teufel der FCK nicht profitiert – okay. Allerdings: Dergleichen hat vergangenen Sommer auch Sportdirektor Boris Notzon versprochen – und nicht halten können.

Unterm Strich wird dem FCK auch künftig nichts anderes übrig bleiben, als sein Geld über „Talententwicklung“ zu verdienen. In der Praxis wird das nicht viel anders aussehen als zuletzt. Im aktuellen Team sollten sich pro Saison vier bis fünf Spieler ungefähr im U23-Alter in den Vordergrund spielen, von denen mit etwas Glück zum Saisonende nur zwei möglichst teuer verkauft werden müssen, so dass der Erlös in den nächsten Personaletat fließen kann.

Sich unter diesen Voraussetzungen positiv weiterzuentwickeln, mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, ist aber mittlerweile bei vielen Klubs ein gängiges Geschäftsmodell, bis in die Erste Liga hinein.

Die Vereine, die in dieser Beziehung am ehesten zum Vorbild für Lautern taugen, sind der SC Freiburg und Mainz 05. Die zählen übrigens zu wenigen, die noch nicht ausgegliedert haben. Ist wahrscheinlich Zufall, oder?

3 Gedanken zu “Fanblog: Nach der Ausgliederung – Um für Anleger so richtig sexy zu werden, bleibt dem FCK keine Zeit

  1. Dank der derzeit „mangelnden Sexyness“ könnten wir die Ausgliederung in ein paar Jahren bereuen, aber nicht auszugliedern würden wir wahrscheinlich schon in einigen Monaten schon bereuen. Daher habe auch ich dafür gestimmt. Gewonnen haben wir damit natürlich noch nichts.

    Zwei Sachen haben mirch allerdings auf der AOMV regelrecht schockiert:

    1. Zu einer derart wichtigen Abstimmung sind gerade einmal 2.295 Stimmberechtigte anwesend.
    2. Unser Verein hat gerade einmal 17.466 Mitglieder!

    Wen das jetzt nicht schockt, dem sei gesagt, dass der „Zuschauermagnet“ VfL Wolfsburg 21.500 Mitglieder hat und Leverkusen >27.000. Vereine, die mit uns (von der Fanbasis her) vergleichbare sind wie Gladbach und Köln 80.000 bzw.100.000 Mitglieder.

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/29723/umfrage/anzahl-der-mitglieder-ausgewaehlter-vereine-der-bundesliga/

    Hieran sieht man nicht nur die Versäumnisse der Ära Kuntz, sondern auch das Potential was der FCK noch hat. Schon 10.416 neue Mitglieder würden für den FCK 1.Mio (jährliche!) Mehreinnahmen bedeuten. Ich hoffe, dass der Verein hier bald entsprechende Aktionen zur Mitgliederwerbung fährt.

    • Das sehe ich genau wie Du, Wutti. Normaler Weise verkauft man Anteile, wenn sie was wert sind, und nicht, wenn sie gerade auf einem Tiefpunkt angelangt sind. Deswegen wär’s ja schön, wenn wir erst einmal Gelegenheit hätten, wenigstens eine geile Runde in der neuen Liga zu spielen, damit klar wird, der Turnaround ist geschafft… Aber eine andere Wahl gab es nun einmal nicht.

      Dein Gedanke, noch mehr auf Mitgliederwerbung zu setzen, ist gut – den werde ich in Zukunft auch stärker propagieren.

  2. Guter Blog-Beitrag. An dieser Stelle auch mal ein dickes Dankeschön für die tolle Arbeit in diesem Blog.

    Eine Kleinigkeit: ich will ja kein Erbsenzähler sein, aber immer wieder hört und liest man von diesem „Point“ wenn es doch eine „Unique Selling Proposition“ ist.

    Okay, sorry für diese Nebensächlichkeit. Ich freue mich auf weitere Beiträge hier in diesem Blog.

Kommentar verfassen