Der Weg ins Netz führt künftig eher durch die Mitte – Kaderbetrachtung, II. Teil

 Eine vollkommen neu formierte Hintermannschaft, die sich erst einspielen muss, darunter zwei Oldies, die erst einmal zeigen müssen, dass sie dem Zahn der Zeit noch zu trotzen verstehen – im I. Teil unserer unaufgeregten Kaderbetrachtung des Drittliga-Neulings Kaiserslautern haben wir noch nicht viel gefunden, was uns für die kommende Saison übermäßig euphorisch stimmt. Im II. Teil nun können selbst wir unseren Optimismus nicht ganz bremsen: Auf den zentralen Positionen in Mittelfeld und Angriff sind die Lauterer im Wettbewerbsvergleich wirklich stark besetzt. Hoffentlich lahmen sie nicht auf den Flügeln.

Als Sportvorstand Martin Bader nach dem feststehenden Abstieg ankündigte, sechs Spieler des aktuellen Kaders auf dem Weg in die Dritte Liga halten zu wollen, glaubten wohl die wenigsten, dass ausgerechnet Mads Albaek zu dem halben Dutzend gehören würde. Es schien ungleich wahrscheinlicher, dass der Däne, den der 1. FC Kaiserslautern im Sommer zuvor vom schwedischen Spitzenklub IFK Göteborg losgeeist hatte, weiterziehen würde, zumal der 28-jährige ablösefrei wechseln konnte.

Mit der Bekanntgabe seiner Weiterverpflichtung setzte Bader nicht nur ein positives Signal bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die die zukunftsweisende Ausgliederung der Profifußballbereichs beschloss, sondern mit Sicherheit auch im sich gerade formierenden Kader, sowohl bei den bereits verpflichteten Kickern als auch bei denen, um die Bader und Sportdirektor Boris Notzon auf dem Transfermarkt noch buhlten.

ALBAEK: LEADERTYP MIT HANG ZUM VERTIKALSPIEL

In nur acht Pflichtspielen lief der 28-jährige vergangene Saison im FCK-Trikot auf. Schon bei seinem ersten Einsatz im Testspiel gegen Derby County fiel er als Leadertyp auf, der aus der zentrale Mittelfeldzentrale das geschlossene Nach-vorne-Rücken seiner Mitspieler organisieren und auch selbst Bälle erobern kann. Nach knapp vier Wochen jedoch setzte ihn eine Schambeinreizung matt. Zurück kehrte er erst, als der Abstiegskampf bereits verloren war, hatte dann aber noch einmal entscheidenden Anteil an den beiden Siegen zum Rundenende.

Bezeichnend für Albaeks Spiel ist der Pass, den Sebastian Andersson im abschließenden Heimspiel gegen Heidenheim zum entscheidenden Treffer bewertete: lang, flach, präzise und im richtigen Moment in die Spitze. Der Däne bevorzugt das Vertikalspiel, während sein Vorgänger als spielmachender Sechser/Achter, der zum Hamburger SV abgewanderte Christoph Moritz, eher auf den gepflegten Diagonalpass setzte. 

Daher könnte es sein, dass sich da nun ein Stilwechsel im FCK-Spiel abzeichnet, zumal auch Neuzugang Jan Löhmannsröben den Weg in die Spitze am liebsten lang und direkt sucht – und oft auch recht exakt findet. Schade, dass Osayamen Osawe nach Ingolstadt weitergezogen ist, der Turbosprinter hätte sich an solchen Zulieferern sicher erfreut.

BEKOMMT FRONTZECK „LÖH“ IN DEN GRIFF? 

Wie sich Löhmannsröben beim FCK entwickelt, dürfte ohnehin eine der spannendsten Fragen der nächsten Zukunft sein. Das fußballerische Talent des 27-jährigen ist  unbestritten, einige haben ihm sogar den Sprung in einer höhere Liga zugetraut, allerdings soll er es mit dem Einhalten von Position und taktischen Vorgaben nicht immer so genau nehmen. Da sind Michael Frontzecks Führungsqualitäten gefragt.

Dritter im Bunde der zentralen Mittelfeldspieler ist der erst 21-jährige Theodor Bergmann, dem viele, die seinen Weg in Erfurt verfolgten, sogar einen Wechsel in die Erste Bundesliga gewünscht hätte. „Er besitzt eine exquisite Spielintelligenz, antizipiert freie Räume und verfügt über die technischen Fähigkeiten, diese zu bespielen“, erklärte Blogger Fedor Freytag etwa in unserem Interview. „In Folge trifft er bei der Spielentwicklung fast durchweg richtige Entscheidungen.“

Komplett wird das Quartett von Gino Fechner, der ebenfalls zum erlauchten Kreis der Gebliebenen gehört. Der 20-jährige mag sich in seinem Premierenjahr vielleicht nicht als Überflieger profiliert haben – wär auch schwer gewesen beim Tabellenletzten –, hat aber auch nie enttäuscht. Sein Vorteil: In diesem für Drittligaverhältnisse qualitativ hochwertigen Viererbund ist Fechner der mit den ausgeprägtesten Defensivqualitäten, gewissermaßen der sortenreinste „Sechser“.

UNWAHRSCHEINLICH, ABER DENKBAR: MITTELFELDTRIO MIT DREI OFFENSIVEN

Für die Nachwuchsspieler Carlo Sickinger und Mohamed Morabet, beide 20, wird es schwer werden, angesichts dieser Mitbewerber zu Einsatzzeiten im zentralen Mittelfeld zu kommen. Wenn es, wie allgemein erwartet, bei zwei Planstellen in einem flachen 4-4-2 bleibt. Doch wäre es bei diesem Angebot durchaus denkbar, auch ein Triangel mit einem Sechser und zwei Achtern auf den Halbpositionen zu formieren.

Ein Umstellen auf ein 4-1-4-1 oder ein 4-3-3 würde allerdings bedeuten, dass nur noch eine Planstelle für einen zentralen Stürmer frei wäre. Dich auch auf dieser Position hat sich der FCK stark und breit aufgestellt: mit Timmy Thiele, Lukas Spalvis, Julius Biada und Elias Huth.

Thiele, der für einen Stürmer seiner Baugruppe recht schnell unterwegs ist, hat vor Jahren in Wiedenbrück und in der Zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund schon mal außen gespielt, Huth kann ebenfalls über die rechte Seite kommen, von daher wäre eine offensive Dreierformation nicht ganz abwegig.

DER ANGRIFF: GUTE MISCHUNG MIT EINIGER DRITTLIGAERFAHRUNG

Thiele und Huth kennen die Dritte Liga bereits, haben schon in der vergangenen Saison ordentlich genetzt, wobei man sich sogar streiten kann, ob die sieben Tore, die Huth in der weitgehend dysfunktionalen Mannschaft des Tabellenletzten Erfurt erzielte, nicht vielleicht sogar höher zu bewerten sind als die elf Buden, die Thiele für den Tabellenelften Jena markierte.

Bei Huth wird oft das Kopfballspiel gelobt, obwohl er mit 1,85 Körpergröße nicht unbedingt ein Monster ist. Da werden Erinnerungen an Miro Klose wach, den Huth auch als sein Vorbild bezeichnet.

  Julius Biada indes hat zuletzt in zwei Jahren bei Zweitligist Braunschweig nicht den erhofften Durchbruch geschafft, zum Teil verletzungsbedingt. Zuvor war der heute 25-jährige bei Fortuna Köln ein verlässlicher Scorer in Liga drei: 13 Treffer und elf Assists in 51 Spielen.

Der gebürtige Kölner hofft also, seine zuletzt stagnierende Karriere in Lautern wieder wenden zu können. Diesen Turnaround hat auch Lukas Spalvis noch nicht so ganz geschafft.

Mit 20 war der Litauer bereits bei Aalborg Torschützenkönig in der dänischen Liga. Nach seinem Wechsel zu Sporting Lissabon fiel er ein ganzes Jahr wegen einer Knieverletzung aus. In seinem ersten Jahr in Lautern, wohin er zunächst nur geliehen war, sollte er wieder in Tritt kommen. Das ist ihm bislang lediglich einigermaßen gelungen.

Fünf Treffer in 24 Einsätzen deuten seine Vollstreckerqualitäten zumindest an, unterm Strich aber blieb Andersson der effektivere Neuner. Jetzt, nach seiner Festverpflichtung, heißt es für Spalvis, zu Stabilität zu finden.

NUN KOMMT ES AUF DIE RICHTIGE KOMBI AN

Unterm Strich steht somit auch für die vermutlich zwei Sturmpositionen ein Quartett bereit, um das die Wettbewerber den FCK sicherlich beneiden. Und  Trainer Frontzeck steht nun vor der Aufgabe, die beiden richtigen miteinander zu kombinieren.

Biadas Vorteil dabei könnte sein, dass er in einem klassisch konzipierten Sturmduo am ehesten in die Rolle des zweiten, beweglichen Stürmers passt. Er kann auch auf der Zehn eingesetzt werden, so dass mit ihm eine 4-2-3-1-Formation denkbar wäre. Oder ein 4-4-2 mit Raute, falls Frontzeck die Idee mit dem einer Sechser und den beiden Achter weiterverfolgt.

Allerdings sind Spalvis, Thiele und Huth beweglich genug, dass sie nicht ausschließlich als reine „Wandspieler“ angesehen werden müssen. Zwei von ihnen sollten durchaus auch nebeneinander agieren können.

AUF DEN FLÜGELN WOLLEN ZWEI WIEDER DIE KARRIERESPUR FINDEN

Auf den offensiven Flügelpositionen präsentiert sich der FCK dagegen nicht ganz so beeindruckend aufgestellt. Gesetzt sein dürfte Christoph Hemlein. Der 27-jährige„Wühler“ war in Bielefeld zuletzt aufs Abstellgleis geraten, nach vier Jahren in einem Verein, der in dieser Zeit ein halbes Dutzend Trainer verschliss, kommt so etwas schon mal vor. Zuvor war der gebürtige Heidelberger bei den Arminen eine feste Größe. Insbesondere seine Bilanz in der Dritten Liga besticht: 17 Goals und 17 Assists in 98 Partien.

Hinter Hemlein stehen zwei, die diese Saison den Turnaround in ihren  stagnierenden Karrieren suchen. Rückkehrer Hendrick Zuck (27) hatte in der Saison 2012/13 eine beeindruckende Hinrunde auf dem Betzenberg gespielt, dabei vier Treffer erzielt. Anschließend wechselte der Linksfuß nach Freiburg, wo er mit Trainer Christian Streich gar nicht zurecht kam. Darauf folgten vier Jahre in Braunschweig mit mehr Tiefen als Höhen.

Ähnlich gelagert ist der Fall Florian Pick. Der ist zwar fünf Jahre jünger als Zuck, galt im Gegensatz zu diesem allerdings schon in der Jugend als Riesentalent – Zuck dagegen stellt den eher seltenen Typ des Spätentwicklers dar. Noch als Junior wechselte Pick zu Schalke, wo er allerdings nicht den Durchbruch schaffte. Der gelang ihm auch nach seiner Rückkehr auf den Betzenberg noch nicht, so dass er vergangene Saison zum späteren Drittliga-Aufsteiger Magdeburg ausgeliehen wurde. Dort kam er nach langem Anlauf einigermaßen in Tritt – und am Ende auf 16 Einsätze. So dass Pick, der am ehesten dem Profil des Tempodribblers entspricht, nun immerhin Ligaerfahrung für sich proklamieren kann.

Vierter im Bunde der offensiven Außenspieler ist Dylan Esmel (20), der in den Testspielen bislang auffallend oft netzt – vielleicht deutet sich da ja ein Kavaliersstart an. Auch Christian Kühlwetter macht bislang eine gute Figur. Der junge Mann aus Bonn ist allerdings schon 22, hat also nicht mehr allzu viel Zeit, um im Profigeschäft durchzustarten.

FAZIT? DIE TRAINERGILDE HAT DOCH SCHON GESPROCHEN

Ziehen wir also das Fazit: Auf den zentralen Positionen in Mittelfeld und im Angriff ist der FCK sowohl qualitativ als auch quantitativ so stark aufgestellt, dass Pessimismus wirklich fehl am Platze scheint. Ohnehin hat die Trainer-Gilde der Dritten Liga unsere Warnung aus dem I. Teil unserer Betrachtung ignoriert und mittlerweile die Lauterer kurzerhand zum Aufstiegsfavoriten erklärt. Auf den Flügelpositionen sollte man allerdings erst einmal diverse persönliche Entwicklungen abwarten.

Überhaupt fällt in der Gesamtbetrachtung auf, dass auffallend oft von Spielern die Rede ist, für die diese Saison unbedingt ein Karrierewendepunkt darstellen sollte: Sievers, Schad, Sternberg, Biada, Spalvis, Zuck, Pick… In so vielen Fällen wird erfahrungsgemäß nicht jeder sein persönliches Happy End erleben. Allerdings kann innerhalb der Mannschaft ein Wettbewerbsdruck entstehen, der den Verein am Ende zum Erfolg führt. Allen Euphoriebremsen zum Trotz.

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