Huch, die Lautrer kommen: Starke Generalprobe gegen Dresden liefert erste Aufschlüsse für Drittliga-Alltag

Die Startelf für die Dritte Liga-Premiere des 1. FC Kaiserslautern am kommenden Samstag gegen den TSV 1860 München steht – so gut wie jedenfalls, denn wie alle Trainer wird auch Michael Frontzeck erklären, erst einmal die Trainingsleistungen dieser Woche abzuwarten, ehe er sich endgültig festlegt. Selbstvertrauen dürften die Lautrer bei ihrer Generalprobe ebenfalls getankt haben – immerhin haben sie mit Dynamo Dresden einen ambitionierten Zweitligisten 2:1 geschlagen. Analytisch betrachtet ist das Ergebnis allerdings zweitrangig, wichtiger ist es, die Frage zu beantworten, inwieweit ein solcher Kick bereits Hilfreiches für den Alltag in Liga drei liefert.

Und da ist zunächst mal festzuhalten: Der FCK durfte bereits nach 13 Minuten in Führung gehen – nachdem Lukas Spalvis in einen wenig glücklichen Rückpass des Dresdner Youngsters Marius Hauptmann lief. Solcherlei Geschenke dürften dem Litauer im Wettbewerb eher selten bereitet werden. Die Art, wie er abschließt, imponiert allerdings: nicht mit einem risikominimierenden Schieber am herausstürzenden Keeper Markus Schubert vorbei, sondern mit einem beherzten Schuss über diesen hinweg. Da scheint einer zu echter Goalgetter-Souveränität zu finden.

Die Lautrer sind nun in der komfortablen Situation, in den nächsten 77 Minuten aus der Tiefe heraus spielen zu können. In diesen Genuss dürften sie die künftigen Gegner kaum kommen lassen, jedenfalls nicht, solange es 0:0 steht. Vor allem die Hintermannschaft wird sich neu beweisen müssen, wenn sie höher stehen und öfter Sprints nach hinten antreten muss.

An diesem Samstag in Weingarten jedenfalls steht vor allem die Innenverteidigung sicher. Kevin Kraus und André Hainault räumen ab, was abzuräumen ist, und der Kanadier zeigt, dass er auch den ersten Pass beherrscht.

STARKE PÄRCHEN, WOHIN MAN SCHAUT: ES KANN ABER NOCH HARMONISCHER WERDEN

Überhaupt lassen sich die zehn Spieler vor Torhüter Jan-Ole Sievers am besten als Pärchen darstellen. Neben Kraus/Hainault agieren rechts Florian Dick/Christoph Hemlein, links Janek Sternberg/Hendrick Zuck. Auf beiden Seiten ist zu sehen, dass in der Vorbereitung an der Abstimmung sowohl in der Vor- als auch in der Rückwärtsbewegung gearbeitet wurde. Das sieht soweit schon ganz gut aus, hat aber noch Luft nach oben. Hemlein gehört zu den auffälligsten Akteuren auf dem Platz, und das nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0 kurz vor Pause.

Im zentralen Mittelfeld harmonieren Gino Fechner und Mads Albaek. Wie in unserer Kaderbetrachtung bereits vermutet, scheint Fechner den Vorzug gegenüber den Mitbewerbern Theodor Bergmann und Jan Löhmannsröben zu erhalten, weil er der aufmerksamste Defensivarbeiter auf der Sechser-Position ist. Und Albaek verkörpert den Prototyp des Taktgebers aus der zurückgezogenen Mittelfeldposition. Gegen Dresden füllte der Däne die Chefrolle so souverän aus, dass wir aufpassen müssen, nicht allzu viele Vorschusslorbeeren zu verteilen.

Vorne bildet Julius Biada wie erwartet die bewegliche Spitze. Fällt auch mal auf die Zehnerposition zurück, wobei seine Anspiele öfter mal im Leeren landen. Was zu Beginn einer Saison sicher verzeihlich ist. Torschütze Spalvis dagegen nach 19 Minuten raus – wegen einer Knöchelverletzung, die seinen Einsatz gegen Sechzig nächsten Samstag nicht gefährdet, wie schon unmittelbar nach dem Spiel zu hören ist.

WENN THIELE MIT ANLAUF KOMMT, WIRD’S GEFÄHRLICH

Für ihn kommt Timmy Thiele, und für den erweist sich das Spiel aus der Tiefe ideal. Wenn der Ex-Jenaer mit Anlauf aus der eigenen Hälfte in Spitze marschiert, ist er eine echte Waffe, ohne dass er freilich über die überragende Sprintqualität eines Osayamen Osawe verfügt. Wie er als Sturmtank gegen tiefstehende Gegner zu gebrauchen ist, wird sich dagegen noch weisen müssen. Am Samstag jedenfalls hätte er gut und gerne ein, zwei Treffer markieren können.

Die größte Chance vergibt er unmittelbar nach dem Anschlusstreffer der Dresdner in der 79. Minute. Florian Dick hat eine Flanke aufs lange Eck, von Osman Altigan bedrängt, selbst reingeköpft. Das muss nicht groß aufgehängt werden, aber: Mit seinen 33 Jahren wird der Kapitän möglicher Weise ein wenig länger brauchen, um in die Saison hineinzufinden. Frontzeck schickt nach 80 Minuten Dominik Schad für Dick auf den Platz, und der brilliert direkt mit etwas, was der Oldie eben nicht mehr so draufhat: beherzten Sprints.

Außer Schad und Thiele hat Frontzeck nur drei weitere Spieler eingewechselt. Theodor Bergmann, Florian Pick und Elias Huth sind für Fechner, Hemlein und Biada gekommen, und das erst in der 68. Minute. Ein weiterer Beleg, dass es für den FCK eine echte Generalprobe war. Dresden dagegen ist längst noch nicht soweit, wechselte folgerichtig bereits in der Halbzeit neun Spieler aus.

GEGEN DEN BALL IM 4-4-2 VERSCHIEBEN KLAPPT BESTENS

Wobei die Elf der zweiten Hälfte näher an dem sein gewesen dürfte, was zum Saisonauftakt in Sachsen als Startelf zu erwarten ist. Diese Formation drückte Lautern viel stärker in die eigene Hälfte, Moussa Koné hat zudem mit einem Pfostentreffer Pech. Und in den Schlussminuten darf Sievers nochmal mit zwei Paraden glänzen, auch das kommt eine Woche vor der Premiere gerade recht.

Interessant das 3-4-3-System, auf das Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus sein Team offenbar umstellen will. Bei Lautern dagegen bleibt’s bei dem unter Frontzeck gewohnten 4-4-2. Das mag nicht sonderlich innovativ oder „sophisticated“ sein, doch wen juckt das, solange es funktioniert? Besonders gegen den Ball haben sich die Lautrer in dieser Grundordnung über 90 Minuten sehr diszipliniert verschoben.

DAS HIGHLIGHT: ÜBER 14 STATIONEN ZUM 2:0

Als Schmankerl zum Ausstieg hier das 2:0 von Christoph Hemlein als Video-Clip. Balleroberung im gegnerischen Strafraum und anschließendes Zurückspielen in die eigene Hälfte – okay, das mag nicht unbedingt als Blaupause für den anstehenden Wettkampfalltag dienen, schön anzusehen ist es aber dennoch: Der Ball läuft über 35 Sekunden lang über insgesamt 14 Stationen, ehe er im Tor ist… Die an den Tag gelegte Geschwindigkeit dürfte einen Kurzpassspiel-Perfektionisten wie Pep Guardiola vielleicht nicht unbedingt entzücken, aber an der Stelle müssen wir es halt doch mal sagen: Kommende Saison gilt es erst einmal, höheren Drittliga-Ansprüchen zu genügen. Und dafür sieht’s allemal gut aus.

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