Dritte Liga, erste Lektion: Sich reinschaffen und ständig dazu lernen – dann klappt’s auch mit dem 1:0

Drittliga-Premiere vor Champions League-Kulisse, und dann auch noch gewonnen:  Einen besseren Einstand in dieses neue Kapitel Vereinsgeschichte hätte sich der 1. FC Kaiserslautern nicht wünschen können. Gerade, weil noch nicht alles rund lief, gerade, weil sich die Mannschaft gegen einen stark startenden TSV 1860 München erst in die Partie hineinarbeiten musste und gerade, weil es bis zur 86. Minute dauerte, ehe Linksverteidiger Janek Sternberg die sage und schreibe 41.324 Zuschauer mit dem Siegtreffer belohnte. So stand am Ende ein Sieg, der jubeln lässt, andererseits aber auch verdeutlichte, dass jedes der 38 Spiele dieser Runde „harte Arbeit“ wird, wie auch Trainer Michael Frontzeck am Ende feststellte.

Und gerade der Siegtreffer veranschaulicht auch, wie sich auch im Laufe von nur 90 Minuten dazulernen lässt. Timmy Thiele, nach 67 Minuten für Julius Biada eingewechselt, tankt sich vier Minuten vor Schluss über die linke Seite in den Strafraum durch, sucht mit seinem Zuspiel dann aber nicht den horizontalen Weg vors Tor, sondern setzt auf den klugen Rückpass, den Sternberg mustergültig vollstreckt. Dergleichen hätte man sich nach einigen Flügelangriffen in der ersten Hälfte auch schon mal gewünscht, etwa von Christoph Hemlein, der sich zwei Mal stark auf seiner rechten Seite durchsetzte, dann aber doch das eher konservative Anspiel mittig in den Fünfer probierte.

FIXES PÄRCHENSPIEL SCHAFFT BESTE CHANCEN 

Sternberg hatte die Szene im Zusammenspiel mit Thiele auch eingeleitet. Ein Pärchending also. Durch ein solches war auch die bis dahin größte Chance des Spiels vorbereitet worden: Lukas Spalvis lässt nach 30 Minuten ein langes Zuspiel von André Hainault auf Julius Biada prallen, dreht sich sofort Richtung Tor, Biada legt den Ball direkt in die Gasse, Spalvis marschiert allein aufs Tor zu, vollstreckt aber leider nicht ganz so cool wie vor Wochenfrist in der Generalprobe gegen Dresden. Bei seinem Abschluss ins kurze Ecke hätte er leicht unter den Ball ticksen müssen, um ihn über den herausstürzenden Hendrik Bonman zu liften. Tja, als Beobachter lässt sich’s halt gut reden.

Apropos Generalprobe: Wie erwartet, setzte Frontzeck auf die gleiche Startelf wie in Weingarten, auch die Auswechslungen waren nahezu identisch, nur Elias Huth musste diesmal draußen bleiben, weil in Pflichtspielen nun mal nur drei Mal getauscht werden darf.

Und mit den Wechseln sorgt der Trainer auch für die neuen Reizpunkte, die dem FCK in den letzten 20 Minuten noch einmal Feldüberlegenheit schafften. Thiele interpretiert  seine offensive Rolle anders als Biada, lauert mehr direkt an der Abseitslinie, mal links, mal rechts, von wo aus er beim Pass in die Tiefe den Löwen sofort Kummer macht, mit seinem Mix aus Physis und Geschwindigkeit. Exakt so bereitet er auch den Siegtreffer vor.

SCHADE, EIN TOR HÄTTE DEM PICK GUT GETAN

Florian Pick kommt für Hendrick Zuck, um in den im Angriffsdrittel zusehends enger werdenden Räumen für mehr Durchsatz zu sorgen. Dem Tempodribbler gelingt nicht alles, doch kann er in der 82. Minute zum Matchwinner werden, als er nach Zuspiel von Spalvis halblinks in der Strafraum eindringt, den Ball aber nicht an Bonmann vorbeikommt. Schade, ein Treffer zur Saisonpremiere hätte dem demnächst 23-jährigen, dem diese Spielzeit endlich der Durchbruch gelingen sollte,  vielleicht einen Endorphin-Schub mit Langzeit-Wirkung verschafft. Dominik Schad kommt lediglich noch für drei Minuten.

Kapitän Florian Dick flankt unermüdlich von seiner angestammten rechten Seite. Der beste Flugball allerdings glückt dem 33-jährigen mit seinem schwächeren linken Fuß: Nach einer von den Sechzigern zu kurz abgewehrten Ecke in Minute 56 hält sich der Captain noch auf der eigentlich verkehrten Seite auf, als seine Mitspieler den zweiten Ball sichern und direkt auf ihn passen. Also probiert Dick es mit links. Dem am kurzen Eck postierten Spalvis gelingt ein schulbuchmäßiger Kopfballdreher in der Luft, doch der leidet an der Querlatte.

ECKEN DREHEN AUFS TOR ZU – UND DAS BIER WAR NOCH VOR ANPFIFF ALLE

Dick schlägt auch sonst alle Eckbälle von links, Linksfüßler Zuck dagegen die von rechts – Frontzecks setzt also aufs Tor zudrehende Bälle. Vor allem Hainault ist nach solchen zwei Mal nah dran an einem Treffer. Ansonsten stellt der 32-jährige einen ordentlich fußballernden Innenverteidiger, bei dem allerdings zumindest in einer Szene auch Schnelligkeitsdefizite offenbar werden: In Minute 9 überläuft ihn Adriano Grimaldi doch recht leicht – und trifft anschließend den Innenpfosten. Ganz schön viel Glück in einer Anfangsphase, in der auch sonst noch nicht viel beim FCK zusammenlief.

Anschließend arbeitete er sich aber in die Partie Stück für Stück hinein. Und lernte erfolgreich dazu. Das darf auch die Stadiongastronomie noch. In weiten Teilen des Stadions brach noch vor dem Anpfiff die Bierversorgung zusammen. Der einzige Makel an einem sonst perfekten Nachmittag.

Aussagekräftige Daten sind in der Dritten Liga schwerer zu bekommen als in den beiden DFL-Spielklassen, die vom Zahlenriesen „Opta“ gescannt werden. Sander IJtsma von „11tegen11“ hat uns jedoch zugesagt, uns auch von den FCK-Spielen dieser Saison ein paar „Match Plots“ kreieren zu können. Noch warten wir drauf, hoffen aber, in Kürze zum Nachtisch noch ein wenig Nerdkram reichen zu können.  

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