Großaspach ist abgehakt, gegen Preußen Münster gilt: Nicht nur statistisch gewinnen

Die Spielanlage war mit der des Auftaktspiels gegen den TSV 1860 München identisch, allerdings waren insbesondere die offensiven Außenbahnspieler des 1. FC Kaiserslautern längst nicht so gut im Spiel – und dennoch: Die Partie gegen die SG Sonnenhof-Großaspach hätte gewonnen werden müssen. „11tegen11“ hat eine Siegeswahrscheinlichkeit von 76 Prozent errechnet, das sind noch neun Prozentpunkte mehr, als Sander IJtsma zur Premiere analysierte. Damit drücken xG-Plots sowie Positions- und Passgrafiken sogar noch deutlicher aus, was nahezu alle Spielbeobachter subjektiv wahrnahmen. Als Drama, Blamage gar muss so ein 1:1 am 2. Spieltag einer Saison deswegen nicht gewertet werden, allzu viele Spiele dieser Art sollte sich der FCK dennoch nicht leisten, wenn er wirklich ganz oben angreifen will. Gegen Preußen Münster gilt es am heutigen Dienstagabend (19 Uhr) nun, die richtigen Schlüsse aus dem Remis von Großaspach zu ziehen.

Vor allem Hendrick Zuck hing in der Luft. Kein Pfeil führt zu ihm, keiner führt von ihm weg. Heißt: Mit keinem seiner Mitspieler spielte er mindestens vier Pässe. Klar: Zwei, drei richtig gute hätten es auch getan, und dann sähe die Grafik genauso aus. Es findet sich ja auch keine Passlinie zwischen Julius Biada und Lukas Spalvis, obwohl Lauterns Zehner den genialen Nadelpass auf den Litauer zum 1:1-Ausgleich spielte.

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Auch Christoph Hemlein war längst nicht so gut eingebunden wie zur Premiere. Und diesmal findet sich auch keine Passlinie zwischen Mads Albaek und einem der Stürmer. Wobei der Däne freilich mit einem starken Vertikalpass Lauterns erste Torchance überhaupt einleitete, als Spalvis auf Zuck ablegte.

Im Vergleich dazu die Positions- und Passgrafik der SGS, die mit Dreier-/Fünferkette agierte: Deren Stürmer hingen noch mehr in der Luft. Interessant auch, wie stark das Team von Sascha Hildmann Keeper Kevin Broll miteinbezog, gerade im Vergleich zu Jan-Ole Sievers auf FCK-Seite.

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Dennoch drückt die expected Goals (xG)-Timeline über 90 Minuten noch um einiges drastischer aus, was die meisten Betrachter subjektiv wahrgenommen haben. Ein xG-Endstand von 1.49 : 0.19 und eine Lautrer Siegeswahrscheinlichkeit von 76 Prozent. Interessant, welch kleinen Knick Timo Röttgers Führungstreffer in der Timeline verursacht. Liegt daran, dass aus dieser Position normaler Weise so gut wie nie Tore erzielt werden. Konnte eben nur klappen, weil Sievers falsch stand.

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Und wie soll es nun weiter gehen? Angesichts der Tatsache, dass nur drei Tage seit der Hitzeschlacht von Großaspach vergangen sind und am Samstag in Halle noch ein drittes Spiel innerhalb einer Woche ansteht, hat Trainer Michael Frontzeck angekündigt, in der Startelf die ein oder andere Änderung vorzunehmen. Der 18er-Kader soll allerdings der gleiche bleiben.

Konkret denkt der Coach an Spieler, die in der vergangenen Saison aus langen Verletzungshistorien zurückgekehrt sind. Das könnte Spalvis betreffen, der aber müsse es nicht zwingend sein, erklärte Frontzeck in der Pressekonferenz am Montag. Für diesen würde wohl Timmy Thiele von Anfang an spielen. Weitere Kandidaten mit der vom Trainer angesprochenen Vergangenheit wären Mads Albaek und André Hainault.

WECHSEL AUF FLÜGELN? WÄR ANGEZEIGT, DOCH BIETET SICH KEINER AN

Inwieweit Wechsel aufgrund dieser Überlegungen notwendig sind, kann nur beurteilen, wem Beobachtungen und Daten aus den Trainingseinheiten vorliegen. Angesichts der beiden absolvierten Spiele würde sich eher ein Wechsel auf den Flügeln anbieten. Da allerdings stellt sich die Frage, wer für wen? Florian Pick hat sich bei seinen Einwechslungen bislang nicht unbedingt als Alternative zu Hendrick Zuck aufgedrängt. 

Dylan Esmel fällt mit einem Kreuzbandriss die nächsten Monate aus. Der 20-jährige hatte in der Vorbereitung gut genetzt, allerdings sieht Frontzeck, wie er gestern sagte, ihn eher als Zentrums- denn als Flügelspieler. Eine personelle Nachbesserung innerhalb des aktuellen Transferfensters, das noch bis Ende August offen ist, hält der Trainer dagegen nicht für  unbedingt geboten. Ausgeschöpft wäre der dafür zur Verfügung stehende Etat allerdings noch nicht, wie Sportvorstand Martin Bader unlängst erklärte.

DIE PREUSSEN KOMMEN MIT TEMPO – VOR ALLEM MIT LUCAS CUETO

Vielleicht tut es ja auch ein einfacher Positionsaustausch, der ja gar nicht mal durchgehend, sondern immer nur phasenweise praktiziert werden könnte? Zuck war stets effektiver, wenn er auf der rechten Seite zum Einsatz kam, so dass er mit seinem starken linken Fuß nach innen ziehen konnte, und auch er selbst bezeichnet das als Lieblingsposition. 

Heute Abend erwartet Frontzeck zunächst mal einen Gegner, der mit „Tempo“ kommt. Die Münsteraner haben zum Saisonauftakt mit einem 4:1-Sieg bei Fortuna Köln aufhorchen, bei ihrer Heimpremiere gegen Jena anschließend aber enttäuscht (1:2). Die präsentieren sich in der Regel in einem forschen 4-3-3. Für den vom FCK-Trainer angesprochenen Speed sorgt vor allem Lucas Cueto auf dem linken Flügel, da kommt auf Lauterns Oldie Florian Dick Schwerstarbeit zu.

   

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