Nach diesem 1:2 darf Pech keine Ausrede sein – Es gibt viel zu tun

Klar ist es blöd, durch einen Bilderbuchfreistoß in der Nachspielzeit zu verlieren, aber einfach nur mit fehlendem Glück zu hadern, wäre jetzt fatal. Denn objektiv über die vorangegangenen 90 Spielminuten geschaut, folgte Adam Kobylanskis 2:1-Siegtreffer für Preußen Münster auf dem Lautrer Betzenberg durchaus einer gewissen Logik. Die Elf aus Westfalen präsentierte sich besser organisiert und war in den entscheidenden Momenten  einfallsreicher und fixer – auch wenn es nach dem Führungstreffer des 1. FC Kaiserslautern eine Zeitlang nach dem erwarteten Heimsieg gerochen hatte. Die Pleite als unglücklich abzuhaken, wäre allerdings fatal. Hier heißt es, aufarbeiten und an den richtigen Stellschrauben ansetzen, dann lässt sie sich in ein paar Wochen vielleicht als heilsame Lehrstunde einordnen.

Zunächst mal hat sich FCK auch im dritten Spiel dieser Saison als launiger Spätstarter gezeigt. Frühes Attackieren, den Gegner zu Fehlern zwingen – Fehlanzeige. Allerdings hat sich die Elf von Michael Frontzeck auch gegen 1860 München und in Großaspach in den ersten Minuten zurückgehalten und sich danach dennoch noch ein deutliches Chancenplus erarbeitet.

 MITTLERWEILE WISSEN DIE GEGNER ES SCHON VORHER: LAUTERN STARTET LAHM

Gar nicht gut ist es aber zu hören, dass der Gegner mittlerweile gar nicht mehr rechnet, auf dem ehrwürdigen Betzenberg vom Anpfiff weg auf die Roten Teufelshörner genommen zu werden. „Wir haben gewusst, dass Kaiserslautern erst mal nicht so den Druck macht, nicht so in die Pressingsituationen geht“, erklärt Münsters Coach Marco Antwerpen nach dem Spiel. Da bleibt nur zu hoffen, dass Lauterns einstige Meistertrainer diesen Satz nicht lesen. Kalli Feldkamp ist nunmehr 84, Otto Rehhagel wird am morgigen Donnerstag 80 – man stellt sich diese großen alten Männer ungern beim Weinen vor.

Allmählich wird’s zwar besser, so eine richtige Spielkontrolle will sich diesmal aber nicht einstellen. Hendrick Zuck versucht’s nach zehn Minuten mal mit einer fulminanten Direktabnahme einer weit aufs lange Eck gezogenen Rechtsflanke. Was immerhin ein Signal setzt, es doch mal verstärkt über diese Seite zu versuchen. 

Bislang nämlich hat der FCK ausnahmslos versucht, sich über links durchzuknoddeln. Gleiches tat der Gegner auf dem Flügel vor der Haupttribüne, möglicher Weise ja, weil diese in der ersten Hälfte mehr Schatten warf. Die ersten Torvorbereitungsversuche der Münsteraner geraten allerdings wesentlich erfolgversprechender, auch weil André Hainault und Janek Sternberg ziemlich wackeln.

DASS SPALVIS KOMMT, IST GUT – ABER WARUM MUSS BIADA GEHEN?

Christoph Hemlein und Florian Dick bringen über ihren Flügel wenigstens ein bisschen was in den Strafraum, auch Julius Biada setzt sich kurz vor Pause am rechten Strafraumeck eindrucksvoll durch. Den Flanken fehlt es allerdings, drücken wir es mal nett aus, ausnahmslos an Raffinesse. Symptomatisch ist eine Ecke von Dick, die er von rechts mit dem rechten Fuß schlägt, also vom Tor wegdreht – dies gelingt ihm fraglos, leider jedoch auch in den Rücken von Freund und Feind.

Bereits in der Pause bringt Michael Frontzeck Lukas Spalvis, dem er in dieser Englischen Wochen zunächst Schonung auferlegt hatte. Gute Entscheidung sicherlich, um einen neuen Reizpunkt zu setzen, aber muss für ihn ausgerechnet Biada rausgehen? Der hat wenigstens mal versucht, auch aus dem Zehnerraum mal was in die Spitze zu kreieren.

Aber Frontzeck wechselt nun mal am liebsten positionsgetreu, rückt von seiner flachen 4-4-2-Grundordnung auch bis zum Schluss nicht ab. Drum kommt auch der vierte Stürmer im Kader, Elias Huth, später „nur“ für Timmy Thiele, so dass nie mehr als zwei etatmäßige Angreifer auf dem Platz stehen.

NACH DEM 1:0 HÄTTE DOCH ALLES GUT WERDEN KÖNNEN

Zwischenzeitlich muss auch Hainault vom Feld, mindestens mit gebrochenem Nasenbein, vielleicht hat auch das Jochbein was abgekriegt. „Fürs Halle-Spiel am Samstag können wir ihn abhaken“, gibt Frontzeck hinterher bekannt. Für den Kanadier kommt Özgur Özdemir, und das wird wohl auch in Halle so sein.

Dennoch scheint nach der Pause alles gut zu werden. Münster wehrt einen Dick-Einwurf zu kurz ab, Kevin Kraus und Lukas Spalvis werden sich am Sechzehner einig, wer den Ball nehmen darf – und Kraus platziert einen technisch feinen Aufsetzer zum Führungstreffer. 

Nicht unbedingt besser gewesen, aber Tor geschossen – jetzt noch eine halbe Stunde hinten reinstellen, schnell umschalten und ein paar Torgelegenheiten mehr generieren, dann lässt sich hinterher sagen, „unterm Strich“ hätten wir ja doch verdient gewonnen… So sind schon viele Spiele gelaufen, und so scheint nun auch dieses zu laufen.

Aber es scheint nur so.

Marco Antwerpen bringt nun innerhalb von nur zehn Minuten die Offensivspieler, die er, für manche etwas überraschend, zunächst draußen gelassen hat: Martin Kobylanski, Tobias Rühle, Rufat Dadashov. Und wie schon in den ersten beiden Spielen zeigt sich: Je flinker und wuseliger das gegnerische Personal unterwegs ist, desto mehr Probleme bereitet es dem Lautrer Defensivverband, Rühle vor allem. Auch das könnte sich noch stärker rumsprechen in der Liga.

AM ENDE BRECHEN ZWEI FREISTÖSSE DEN LAUTRERN DASS GENICK

Den Garaus machen den Pfälzern zwei Freistöße dann aber des eingewechselten Kobylanski. Den ersten pariert Jan-Ole Sievers, muss Fabian Menig jedoch abstauben lassen, den zweiten zwirbelt Kobylanski über die Mauer ins linke Toreck, in der 91. Minute. 

Der erste Treffer ist dem Keeper schon mal gleich gar nicht anzulasten, da haben seine Vorderleute gepennt. Neben Menig stehen noch zwei weitere Grüne näher zum Abpraller als der erste Rote. Aber will man jetzt wirklich darüber streiten, ob Sievers beim zweiten Treffer zwei Schritte weiter in die Mauerecke postiert sein musste, weil das Ding ja nicht so ganz oben im Dreieck einschlug, so also vielleicht zu haben gewesen wäre?

Lassen wir den Freistoßschützen urteilen: „Den ersten Ball hat Sievers überragend gehalten, ich hatte eigentlich schon gejubelt“, erzählt uns Martin Kobylanski hinterher. „Den zweiten drehe ich ja von ihm weg, da kann er gar nichts machen.“

Wichtiger ist es, über die Situationen zu reden, die zu den Freistößen geführt haben. Vorm ersten rasiert Gino Fechner Rühle reichlich ungestüm in der Gefahrenzone vor dem Sechzehner, vor dem zweiten agiert der eingewechselte Özgur Özdemir gegen René Klingenburg noch rumpliger. Auch feinmotorische Zweikampfführung will gelernt sein.

JA, ES HAT AUCH GLÜCK GEFEHLT, ABER DAS DARF KEINE AUSREDE SEIN

Es soll natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass Preußen-Keeper Oliver Schnitzler beim Stand 1:1 auch mal Glück hatte, als er einen Freistoßdreher Dicks, der wider Erwarten doch nicht abgefälscht wird, gerade noch so um den Pfosten lenkt. Und noch nach dem 2:1 muss sich Schnitzler bei einem Heber des ansonsten blassen Mads Albaek noch einmal ganz lang machen.

Ja, die Lautrer haben auch Gegenwehr geleistet, und ja, mit ein wenig Glück kann dieses Spiel auch Unentschieden ausgehen. Deswegen dürfen aber nicht die Probleme ausgeblendet werden, die diese Partie offenbarte. Der Abwehrverband muss unbedingt noch beweglicher werden, der Angriff sich variabler präsentieren. 

Schön wär’s auch, wenn sich auch beim FCK mal Spezialisten für ruhende Bälle profilieren würden, so wie Kobylanski auf der Gegenseite. „Seit der WM sollte sich eigentlich rumgesprochen haben, dass mittlerweile fast die Hälfte aller Tore nach Standardsituationen fällt“, verriet uns der Kunstschütze ebenfalls. Och jo.

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