Positions- und Passgrafik bestätigt: Für mehr Kontrolle braucht es mehr Ballbesitz im zentralen Mittelfeld

Waren wir zu streng, als wir in unserer Betrachtung der 1:2-Pleite gegen Preußen Münster schrieben, der Sieg der Gäste wäre einer gewissen Logik gefolgt? Die „expected Goals“ (xG)-Analyse zumindest stellt fest: Ein Unentschieden wäre gerechter gewesen, die Wahrscheinlichkeit hätte bei 37 Prozent gelegen. Die Positions- und Passgrafik wiederum legt die Schwäche des Lautrer Spiels offen.

„Wir hätten nach dem 1:0 mehr auf Ballbesitz spielen müssen“, analysierte Trainer Michael Frontzeck bereits am Dienstag nach dem Spiel. In der Tat: Dann würden die Spots, die Mads Albaek und Gino Fechner in dieser Visualisierung generieren, wohl um einiges größer ausgefallen. Deren Durchmesser gibt bekanntlich die Ballbesitzanteile eines Spieler wider, und so eine Partie wird nun einmal aus dem zentralen Mittelfeld heraus kontrolliert.

Schon nach den ersten beiden Partien hatten wir festgestellt, dass Sechser und Achter sich präsenter darstellen müssten. So mickrige Pünktchen wie diesmal haben Albaek/Fechner allerdings noch nie produziert. Dass vor allem der Däne es anders kann, hat er beispielsweise zu Lauterns Zapfenstreich in der Zweiten Liga gezeigt, beim 1:3-Ausswärtssieg in Ingolstadt.

Hier gilt es in der Partie beim Halleschen FC am morgigen Samstag, 14 Uhr, unbedingt aufzuholen. Auch durch personelle Wechsel? Frontzeck hat bei der Pressekonferenz angekündigt, Jan Löhmannsröben erstmals zumindest in Spieltagskader zu nominieren. Der zentrale Mittelfeldspieler gilt freilich nicht unbedingt als Kontrolleur, sondern eher als einer, der direkt den steilen Pass in die Spitze sucht. Eine weitere Alternative wäre der junge Theo Bergmann, der auch in den Testspielen während der Vorbereitung einen guten Eindruck machte.

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Weiter auffällig: Zwischen der linken Seite und der Mitte mag der Ball mehr zirkuliert haben, wie die Dicke der Pfeile zeigt, die rechte Seite mit Florian Dick und Christoph Hemlein war beim Kreieren von qualitativ höherwertigen Einschusspositionen allerdings effektiver. Deswegen tragen die beiden Sternchen.

Die außerordentlich hohe Position, in der Julius Biada erscheint – den „Valentin“ kann sich Sander IJtsma irgendwie nicht abgewöhnen – , resultiert dagegen wohl eher daraus, dass er in der zweiten Hälfte durch Lukas Spalvis ersetzt wurde und dessen Positionsdaten 25 Minuten lang in diesen Spot einflossen – „11tegen11“ betrachtet immer die ersten 70 Minuten eines Spiels, Auswechslungen finden keine Berücksichtigung.

Übrigens: Wir hatten in unserer Spielbetrachtung kritisch hinterfragt, warum ausgerechnet Biada zur Pause rausmusste. Einige Leser haben uns darauf hingewiesen, dass dies auch daran gelegen haben könnte, dass er gelb-rotgefährdet war. Ist natürlich eine Möglichkeit, wenngleich die Feststellung, dass Frontzeck ungern von seiner 4-4-2-Grundordnung abweicht, dennoch nicht von der Hand zu weisen ist. 

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Münsteraner: Auch in ihrem Gitternetz findet sich kein Ballbesitzpol.

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Weswegen nun haben die Münsteraner gewonnen? Gucken wir uns mal die xG-Timline an. Ähnlich wie Röttgers Führungstreffer für Großaspach vergangenen Samstag verursacht auch Kobylanskis Siegtreffer nur einen kleinen Knick – Er hat eben aus einer Position getroffen, aus der nur selten Treffer erzielt werden.

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Allerdings weist auch Kevin Kraus’ Einschussgelegenheit zum 1:0 nur eine geringe Trefferwahrscheinlichkeit auf. Das mag auf den ersten Blick verwundern, weil der Innenverteidiger aus 16 Metern mittig zum Tor abziehen durfte, allerdings berücksichtigt die xG-Bewertung auch, wie viele Spieler, die den Ball blocken oder abfälschen könnten, zwischen dem Schützen und dem Tor postiert waren, und das waren in diesem Fall einige.

Eben das macht ja die xG-Aufrechnung so viel interessanter als das banale Betrachten der abgegebenen Torschüsse: Dieses Verhältnis nämlich lautet 17:13 für Lautern und könnte daher leicht als fadenscheiniges Argument dafür herangezogen werden, dass der FCK „eigentlich hätte gewinnen müssen“. Hätte er nicht.

Ebenfalls interessant: Nach der XG-Bewertung vergab der FCK seine größte Chance schon in der 21. Minute, als Biada nach Zuck-Ecke zum Schuss kam.

Man darf also gespannt sein, wie Frontzeck seine Elf morgen im dritten Spiel dieser Englischen Woche formiert. Özgur Özdemir wird auf jeden Fall André Hainault ersetzen, bei dem noch nicht ganz klar ist, wie lange ihn seine Nasen- und Jochbeinblessur außer Gefecht setzt.

Kehrt Spalvis in die Startelf zurück? Wird es auch mal einen Wechsel auf den Flügel geben? Da lässt sich der Trainer wie gehabt noch nicht in die Karten schauen.

HALLE LÄSST NACH ZWEI NIEDERLAGEN AUFHORCHEN: 3:0 IN JENA

Der Hallesche FC war mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet, hat unter der Woche aber mit einem 3:0-Erfolg in Jena aufhorchen lassen. Gelobt wurde  dabei vor allem ihr offensives Pressing.

Alle drei Treffer fielen in der ersten Halbzeit. Der ehemalige Großaspacher Pascal Sohm, an dem im Sommer auch Kaiserslautern interessiert gewesen sein soll, netzte bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit. Stark trat auch Sturmtank Mathias Fetsch auf, der ein Tor selbst erzielte und zwei vorbereitete. Der 1,89 Meter-Klotz gehört freilich einer Baugruppe an, mit der einer wie Kevin Kraus gemeinhin gut zurechtkommt.

Gecoacht wird Halle seit Sommer von Torsten Ziegner, der seine Elf bislang stets mit einer Dreierkette im Abwehrverbund formiert hat. Allerdings agieren die beiden Außenbahnspieler offensiver als in gewöhnlichen 3-5-2 Formationen. Brayden Manu etwa, der die linke Seite besetzt und in Jena den dritten Treffer erzielte, ist gelernter Stürmer. Ungewohnt sind Dreierketten für Lautern allerdings nicht: Auch Großaspach und Münster agierten zuletzt in dieser Anordnung.

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