Sechs gelbe Karten, aber kein Biss – So geht der FCK vor die Hunde

Was war das denn? Der 1. FC Kaiserslautern hat in Halle das zweite Spiel nacheinander verloren, ist in der noch jungen Drittligasaison seit nunmehr drei Spielen ohne Sieg. Über das 1:1 in Großaspach ließ sich sich noch damit hinwegtrösten, dass der FCK ja die überlegene Mannschaft war. Nach dem 1:2 zuhause gegen Preußen Münster ließ sich sagen, dass solche Freistoß-Geschosse wie die Kobylanskis nicht immer einschlagen. Doch in diesem 0:2 ist beim besten Willen nichts zu finden, was das Ergebnis relativiert. Und so sehr dieser Blog den Standpunkt unterstützt, dass sich die ersehnte „Kontinuität in der sportlichen Leitung“ nur erreichen lässt, wenn auch Durststrecken gemeinsam überwunden werden – es hilft nichts, die Augen davor zu verschließen: Die Abwärtsspirale dreht sich schon wieder, und angesichts der nächsten Aufgaben ist die Gefahr, dass sie bis zum Anschlag ins Rotieren kommt, immens.

 Ob er die Beobachtung teile, dass der FCK in den ersten drei Saisonspielen immer eine Viertelstunde brauchte, bis er in die Gänge kam, wurde Michael Frontzeck in der Pressekonferenz vorm Halle-Spiel gefragt. Die Auftaktpartie gegen 1860 München müsse man da ausnehmen, antwortete der Coach, denn dass die Mannschaft von dieser gewaltigen Kulisse erst mal beeindruckt war, sei ja wohl verständlich. Und Startschwierigkeiten in zwei aufeinander folgenden Spielen bereits zu einem Serien-Phänomen hochzustilisieren, sei unangebracht.

WIEDER SCHWACH GESTARTET, WIEDER EIN GEGENTOR NACH TUMBEM FOUL

Nun sind es drei Spiele in Folge, in denen der FCK vom Anpfiff weg den Gegner stark machte, indem er ihm zunächst mal das Feld überließ.  Unterschied diesmal: Auch nach der schwachen Anfangsviertelstunde wurde es nicht viel besser. Und der FCK überstand die erste Schwächeperiode nicht schadlos, sondern fing sich gleich den ersten Gegentreffer.

Zu den beiden ungestümem Fouls vorm Sechzehner, die im Spiel gegen Münster zu den spielentscheidenden Freistößen führten, bemerkte Frontzeck am Donnerstag, dass man seinen jungen Spielern eben auch Fehler zugestehen müssen. Ehrenwerte Einstellung, sicher. Bitter nur, dass diese Erfahrung bei Özgür Özdemir bislang noch keinen Lernprozess ausgelöst hat: Wie er in der 14. Minute seinen rechten Fuß in den Laufweg von Marvin Ajani stempelt, ist genauso grobschlächtig wie seine Aktion in der Nachspielzeit aus dem Münster-Spiel, die den Siegtreffer Kobylanskis einleitete. Diesmal gibt’s Elfmeter, und Bentley Baxter Bahn verwandelt.

LAUTERN BEKOMMT HALLES FLÜGELSPIELER NICHT IN DEN GRIFF

Danach nehmen die Hallenser die Lautrer immer wieder über ihr Flügelpärchen Ajani/Brayden Manu auseinander. Wie wir bereits in unserem Freitagsblog darstellten, sind die Außenbahnspieler im System von Coach Torsten Ziegner keine verkappten Außenverteidiger, sondern eher Flügelstürmer, so dass sich eine 3-2-3-2-Grundordnung ergibt, aus der Halle keck nach vorne spielt. Und bereits in der ersten Hälfte mehrfach auf 2:0 erhöhen kann, unter anderem durch Mathias Fetsch.

 Bei Lautern dagegen läuft nur etwas, wenn sich mit Spielzügen über maximal drei Stationen was kreieren lässt. Das sieht dann so aus: Ballgewinn Florian Dick in der Rechtsverteidigerposition, schnelles Anspiel auf Mads Albaek, der auf den rechten Flügel ausgewichen ist, der flankt, Timmy Thiele verpasst knapp. Oder: Özdemir gelingt mit dem linken Fuß ein zugegeben gekonnter Seitenwechsel auf Christoph Hemlein, der setzt sich am rechten Flügel mal durch, passt flach in den Strafraum und Lukas Spalvis verpasst. Ansonsten ist nur noch Spalvis-Kopfball nach Dick-Freistoßflanke zu verzeichnen.

Klar kann man jetzt sagen: Auch das sind immerhin drei Chancen, und wenn eine davon sitzt… Wir konstatieren lieber: Als „Spielanlage“ einer Mannschaft mit Ambitionen Richtung Tabellenspitze kann man dergleichen kaum bezeichnen. Wird Langholz geschlagen, sichern sich die Hallenser stets den zweiten Ball, den Dribblings eines Florian Pick, der für den Vaterfreuden entgegenblickenden Hendrick Zuck in die Startelf gerutscht ist, fehlt es wie gehabt an einem brauchbaren Abschluss. Gino Fechner macht sein eigenes Geacker immer wieder durch Abspielfehler und Ballverluste zunichte.

DER NÄCHSTE STANDARD-GEGENTREFFER: WAS IST DAS FÜR EINE ZUORDNUNG?

Die Hallenser dagegen attackieren auch trotz Führung gerne und forsch schon in Gegners Hälfte. Vollends deprimierend für Betrachter mit Lautern-Logo auf dem Herzen wird das um Minute 70 herum, als Lautern zwar gerne Druck machen würde, zeitweise aber gar nicht mehr über die Mittellinie kommt.

Das spielentscheidende 2:0 in der 85. Minute wiederum verrät einiges über Lauterns Kompetenz bei der Zuordnung vor Standardsituationen. Nach einer Freistoßflanke Bahns steigt der eingewechselte 1,95 Meter-Koloss Sebastian Mai einsam in die Luft. Ihm am nächsten postiert ist der 1,82 Meter große Janek Sternberg, der noch zu den besseren im Team gehörte. Was hätte der da ausrichten sollen?

Es ist bereits der vierte von insgesamt fünf Gegentreffern, die Lautern nach einem ruhenden Ball kassiert. Dem gegenüber steht eines von bislang drei erzielten Toren, das Kevin Kraus nach einem zu kurz abgewehrten Dick-Einwurf markiert hat. Auch da scheint eine Unwucht zu entstehen, der dringend entgegengewirkt werden müsste.

Sechs Gelbe Karten holten sich Lauterns Spieler ab, und dennoch fehlte es ihrer Vorstellung hinten und vorne an Biss.

Mehr an diesem Kick herum zu analysieren, wär einfach nur deprimierend. Belassen wir es dabei, nur noch eine kurze Vorschau anzuhängen.

ES LÄSST SICH NICHT LEUGNEN: DIE ABWÄRTSSPIRALE DREHT SCHON WIEDER

Nächsten Samstag steht das DFB-Pokalspiel gegen die TSG Hoffenheim an. Mit einer positiven Bilanz aus den ersten vier Pflichtspielen hätte man sich da auf ein  abermals volles Haus und einen netten Bonuskick freuen können, der zwar geringe  Siegchancen, aber eine schöne Chance zur weiteren Profilierung geboten hätte. So droht nun eine Klatsche, die das Selbstbewusstsein der Mannschaft und die Stimmung im Umfeld noch tiefer in den Keller drückt.

Anschließend geht’s zuhause gegen den Karlsruher SC. Der mag diese Saison zwar auch noch nicht wie ein Topteam aufgetreten sein, in einem Punkt aber darf man sich sicher sein: Die Elf von Defensivspezialist Alois Schwartz wird höchst konzentriert gegen den Ball agieren. Mit einer Spielanlage, die maximal drei Stationen bis zum Torschuss vorsieht, wird sich da erst recht nichts bewegen lassen.

Und wenn auch dieses Spiel in die Binsen geht… Genug jetzt. Wir wollen uns nicht dem Vorwurf aussetzen, eine Diskussion loszutreten, die in den Fanforen ohnehin schon entbrannt ist.

„Wir haben mit langen Bällen operiert, obwohl wir eine Mannschaft sind, die Fußball spielen kann“, resümierte ein sichtlich geknickter Timmy Thiele nach dem Abpfiff in Halle. „Jetzt müssen wir dreckig zurückkommen, in unsere Spur finden.“ An der Zeit wär’s, in der Tat.

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