Grau ist alle Theorie: So lief es in Halle und so könnte es gegen Hoffenheim laufen

Chronistenpflicht ist manchmal ätzend. Obwohl wir wissen, dass im Grunde nur Masochisten an den Positions- und Passgrafiken aus dem erbärmlichen 0:2 des 1. FC Kaiserslautern gegen den Halleschen FC interessiert sein dürften, stellen wir sie dennoch ins Netz. Wär schließlich ungerecht Sander IJtsma von „11tegen11“ gegenüber, seine Arbeit nicht zu zeigen, nach dem er sie sich  gemacht hat. Ebenso müßig ist es im Grunde, sich Gedanken darüber zu machen, welche Neuordnung sich fürs DFB-Pokalspiel gegen die TSG Hoffenheim am kommenden Samstag, 15.30 Uhr, auf dem Lautrer Betzenberg anbietet – dass Michael Frontzeck von seinem flachen 4-4-2 abweicht, ist kaum zu erwarten. Wir tun’s dennoch.

Auf den ersten Blick sieht die Positions- und Passgrafik des FCK nicht so viel anders aus als in den vergangenen Spielen. Auffallend ist allerdings, dass diesmal viele Pfeile in Richtung Sievers zeigen. Das muss an sich nichts Schlechtes sein, den Keeper ins Spiel einzubeziehen, zumal Sievers kein übler Torspieler ist. Um zu wissen, dass es in diesem Fall wohl ein Ausdruck von Einfallslosigkeit war, muss man das Spiel schon „in echt“ gesehen haben.

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Signifikant ist die Visualisierung von Picks Auftritt. Thiele, Spalvis, Sternberg, Albaek – sie alle haben ihn mehr als drei Mal angespielt, denn nur dann wird überhaupt ein Pfeil eingezeichnet. Allerdings führt nur ein Pfeil von Pick weg, und zwar weit zurück, zu  Innenverteidiger Özgür Ozdemir, dem erneut, höflich ausgedrückt, recht unglücklich agierenden Innenverteidiger. Noch Fragen?

Der Vollständigkeit halber hier auch die Positions- und Passgrafik der Hallenser. Sie sind’s gegen Lauterns 4-4-2 mit einer Dreierkette angegangen, was schon lange nichts Ungewöhnliches mehr ist.

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Schön auch zu sehen, wie hoch die Flügelspieler Ajani und Manu agierten und wie sie ins Spiel eingebunden waren. Dass sie beide Sternchen tragen, also am Herausarbeiten der meisten qualitativ hochwertigen Einschusspositionen beteiligt waren, wundert da nicht. Davon, einen Defensivverband über die Seiten derart aufzureißen, wie diese beiden es getan haben, kann Lautern derzeit nur träumen. Dazu fehlt schlicht und ergreifend das Personal.

Zum Abschluss auch noch die xG-Timeline. Überraschung, Überraschung: Halles Sieg geht auch aus analytischer Sicht vollkommen in Ordnung. 

 

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Den ein oder anderen wird vielleicht erstaunen, dass Mais 2:0 nur so einen kleinen Knick verursacht. Dem sei gesagt: Der „expected Goals“-Wert beschreibt nicht, wie groß die Trefferwahrscheinlichkeit ist, wenn ein Spieler sieben Meter vorm Tor derart frei zum Kopfball kommt, sondern gibt auf der Basis Tausender erfasster Spieldaten wieder, wie oft es vorkommt, dass sich bei einer Freistoßflanke aus der Position, aus der Bahn diesen Ball schlägt, eine Einschussposition ergibt. Will sagen: Die meisten Profimannschaften können in einer solchen Situation abwehren, daher ist der xG-Wert – und in der Visualisierung somit auch der Knick – so klein.

GEDANKENSPIELE FÜR HOFFENHEIM: BIADA, THIELE, SCHAD, DREIERKETTE?

Was könnte sich nun, rein theoretisch, im DFB-Pokalspiel am Samstag anders machen lassen? Zunächst mal ist der FCK diesmal in der Ausgangslage, gegen Hoffenheim nicht mit dem Brandzeichen antreten zu müssen, das in der Dritten Liga zuletzt zu Unrecht trug: das des „Favoriten“ nämlich. Das heißt, hinten reinstellen und Bälle rausblasen, wär völlig legitim. Oder drücken wir es zeitgemäß geschwollen aus: Aus einem weit  zurückgezogenen Defensivverband heraus auf Umschaltsituationen lauern. Fällt der Mannschaft gegenwärtig vielleicht leichter. Allerdings wartet vorne kein Osawe mehr. Bestenfalls Thiele. Drum sollte auf den auf keinen Fall verzichtet werden.

Mit Biada fehlte in Halle jedoch der einzige Spieler, der auch aus dem Zehnerraum mal was einleitet. Kehrt er ihn in die Startelf zurück, müsste in einem Frontzeckschen 4-4-2 folgerichtig Spalvis auf die Bank.

Oder aber, man setzt auf ein Triangel: Spalvis und Thiele als Doppelspitze, Biada auf der Zehn. Das würde entweder ein 4-4-2 mit Raute notwendig machen oder ein 3-4-1-2. Wär vielleicht auch von daher eine Überlegung wert, weil sich derzeit außer Christoph Hemlein kein offensiver Flügelspieler  aufdrängt. Zuck hat zuletzt ebenso wenig gerissen wie Pick.

Denkbar wär allenfalls, Schad als Linksverteidiger aufzubieten und Sternberg davor zu platzieren. Schads Schnelligkeit könnte gegen Hoffenheim durchaus von Nutzen sein.

Und Dreierkette? Dazu müsste André Hainault wieder fit sein, und selbst dann bietet sich ein erneuter Einsatz von Özdemir kann an. Den dritten Mann neben Hainault und Kraus müssten eher  Fechner oder Löhmannsröben geben.

Wie gesagt: Alles rein theoretisch. Es wird ohnehin wieder auf das 4-4-2 hinauslaufen, das der FCK in Halle nicht nur flach, sondern auch platt interpretierte.

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