1:6! Hilft alles nichts – Mund abputzen und nach Hoffnungskörnern suchen

Ja, es ist entsetzlich: 1:6, so hat sich kaum ein anderer „Kleiner“ in der ersten Runde des DFB-Pokals vom Favoriten aus dem Wettbewerb ballern lassen. Ja, und man muss bei dieser Formulierung auch verdrängen, dass sich der 1. FC Kaiserslautern und die TSG Hoffenheim vor fünf Jahren noch „auf Augenhöhe“ in den Relegationsspielen für die Erste Bundesliga begegneten. Und ja, es ist die dritte Pflichtspielniederlage in Folge, und ja, der Druck vor der nächsten Drittligapartie gegen den Karlsruher SC ist nun immens – in einer Spielzeit, in der der FCK eigentlich wieder die Weichen nach oben stellen wollte. Aber hilft’s was, jetzt in die Abgesänge allerorten miteinzustimmen? Versuchen wir lieber das beinahe Unmögliche: In diesem Misthaufen ein paar Körnchen zu entdecken, die die Hoffnung fürs KSC-Spiel nähren könnten.

KÖRNCHEN EINS: DER FCK HAT MEHR FUSSBALL GESPIELT ALS GEGEN HALLE

Nein, wir wollen unsere Leser nicht veräppeln und meinen das auch nicht sarkastisch – und, hey, wir ziehen hier den unsäglichen Auftritt in Halle (0:2) als Vergleich heran. Drum wagen wir zu sagen: Lautern ließ zumindest streckenweise den Ball besser laufen als in Halle. Wobei, ehrlich müssen wir schon sein: In der Schlussphase glückte das lediglich, weil die TSG es zuließ, beim Stand von 1:6 gibt sich ein netter Gast halt gerne auch mal generös.

Aber gleich zu Beginn etwa attackierte der FCK mal forsch in Gegners Hälfte, verschob sich konzertiert in Richtung Hoffenheimer Rechtsverteidigerposition, statt wie sonst bei fremdem Ballbesitz lediglich die beiden Stürmer jenseits der Mittellinie sticheln zu lassen. Dergleichen wollen wir gegen den KSC mehr sehen, sonst wird sich der kompakte Defensivblock des Alois Schwartz-Teams kaum aufbrechen lassen.

Dumm nur, dass sich die TSG aus dieser, nennen wir sie halt mal so, Drucksituation schulbuchmäßig befreite und direkt den Führungstreffer durch Joelinton einleitete. Und dass es dann nach 20 Minuten schon 0:3 stand.

KÖRNCHEN ZWEI: GINO FECHNER IST MEHR GELUNGEN ALS IN HALLE

Okay, auch hier lässt sich einwenden, Verbesserungen aus dem Halle-Spiel zu konstatieren, heißt nicht viel, aber wir haben von vorneherein gesagt, wir suchen in den Krümeln, also nach Körnchen. Fechner war vor der Partie von vielen als Wechselkandidat angesehen worden, Michael Frontzeck hatte ihm dennoch das Vertrauen ausgesprochen. Mit einem Ballverlust gleich in den Anfangsminuten fing es für Fechner auch wieder nicht gut an, dann aber berappelte er sich, kämpfte sich in die Partie und bekam bis zu seiner Auswechslung zur Halbzeit auch ein paar Abspiele zum eigenen Mann hin: für einen 20-jährigen, der sich noch entwickeln soll und kann, also gar keine so schlechte Erfahrung. Er darf bei der Bewertung seiner eigenen Leistung nur nicht ans Endergebnis denken.

KÖRNCHEN DREI: ES IST MAL EIN TREFFER NACH EINER STANDARDSITUATION GEGLÜCKT

33. Minute: Freistoßflanke von Florian Dick von der rechten Seite mit guter Höhe und gutem Schnitt, Lukas Spalvis läuft aus etwa 18 Metern vorm Tor in den Strafraum ein, steigt hoch, köpft und trifft. Sehr gut getimt insgesamt, und so schön, dass wir‘s gar nicht weiter zerreden wollen. Künftig bitte mehr davon.

KÖRNCHEN VIER: JAN LÖHMANNSRÖBEN

Kam in der Halbzeit für Fechner. Gab einen robusten und stabilen Sechser, der sich zum Spielaufbau auch mal zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Einige gelungene Aktionen, einige sehr schöne lange Bälle. Der einzige im FCK-Trikot, der sich an diesem Tag als Gewinner fühlen durfte. „Er hat das ordentlich gemacht und jetzt fürs KSC-Spiel eine Option“, befand auch Coach Frontzeck hinterher.

Hut ab auch vor so viel Ehrlichkeit: In der Mixed Zone später gab Löhmannsröben zu, dass er für seine Nicht-Nominierungen an den ersten Spieltagen selbst die Verantwortung zu tragen habe: „Ich hatte einige Kilo zu viel auf den Rippen.“ Und das nach sieben Wochen intensiver Saisonvorbereitung – hört, hört. Wer sich noch ein bisschen Humor bewahrt hat, wird sich vielleicht erinnern: Löhmannsröben war in den vergangenen Wochen immer wieder dafür gelobt, dass er viel für Geselligkeit im gerade neu zusammenwachsenden Team tat. Unter anderem lud er zu Grillabenden… Möglicher Weise hat sein Geröstetes ihm selbst am besten geschmeckt.

KÖRNCHEN FÜNF: DER GEGNER BOT VIEL GELEGENHEIT DAZU ZU LERNEN

Michael Frontzeck etwa fand‘s gar nicht gut, dass die Hoffenheimer zu Beginn „im

Halbfeld immer aufdrehen konnten und auf eine stehende Abwehr zugelaufen sind.“ Nun ja, das Bespielen der Halbräume ist eine Spezialität der Mannschaft Julians Nagelsmanns, das lässt sich übrigens auch in der in diesem Blog besprochenen Fußballliteratur nachlesen.

Ein guter Ansatzpunkt jedenfalls, diese Spielfläche künftig selbst besser zu beackern. Setzt allerdings voraus, dass Mads Albaek langsam mal besser in die Gänge kommt, der Däne, auf dem so viele Hoffnungen ruhen, enttäuschte gegen Hoffenheim erneut.

Noch gravierender aber ist, wie Lauterns Defensive erneut über die Flügel zerlegt wurde. Schon in Halle wirbelten Manu und Ajani nach Belieben, diesmal markierten mit Nico Schulz, Pavel Kaderabek und dem später eingewechselten Debütanten Joshua Brenet gleich drei Außenbahnspieler die Hälfte der sechs Hoffenheimer Treffer, den Rest erledigte Joelinton. Schulz und Kaderabek legten sich ihre Tore sogar noch gegenseitig auf. Mit der Verbesserung der Flügelverteidigung wäre somit noch ein weiterer Arbeitsschwerpunkt für die nächsten Wochen identifiziert.

Und da auch offensiv auf den Flügeln erneut wenig kam, sei zum Abschluss noch auf das derzeit noch offene Transferfenster hingewiesen. Auch da ließe sich nochmal tätig werden. Laut Sportvorstand Martin Bader ist der Etatrahmen für diese Spielzeit ja noch nicht ausgeschöpft.

Ein Gedanke zu “1:6! Hilft alles nichts – Mund abputzen und nach Hoffnungskörnern suchen

  1. Diese „Körnchen“ erinnern in der Relation zu dem was eher Angst macht bei dem was man auf dem Platz gesehen hat doch sehr an homöopathische Dosierungen D12. Aber bekanntlich sollen auch die manchmal helfen. Hoffen wir es!!!

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