Die xG-Grafiken: 64 Prozent Siegeswahrscheinlichkeit? Wer’s glaubt, wird selig

Haben wir am vergangenen Samstag vielleicht ein anderes Spiel gesehen? Entgegen unserer im Spielbericht geäußerten Vermutung lässt sich anhand der „expected Goals“-(xG-)Timeline von „11tegen11“ für den 1.FC Kaiserslautern ein Siegeswahrscheinlichkeit von 64 Prozent errechnen. Ein Erfolg des Karlsruher SC hingegen wäre demnach nur mit neun Prozent Wahrscheinlichkeit möglich gewesen. Bei näherem Hinsehen relativiert sich die statistische Analyse allerdings schnell. Auch die Positions- und Passgrafik gestaltet sich erfreulicher als die der vorangegangenen Partien, was ebenfalls nicht unbedingt zu erwarten war.

Zunächst zur Timeline: Ein 1.24 : 0.43 weist die Aufrechnung der „expected Goals“ nach 90 Minuten aus. Demnach also wäre ein 1:0 für Lautern ein gerechtes Ergebnis gewesen. Und das, obwohl FCK-Keeper Jan-Ole Sievers wesentlich mehr zu tun hatte als sein Gegenüber Benjamin Uphoff, sogar zum besten Mann seines Teams avancierte?

 

2018-08-25 1204559 xG plot Kaiserslautern 0 - 0 Karlsruher SC.jpg

Nun ja: Der überlegene Wert kommt im Wesentlichen durch Lukas Spalvis’ Großchance in der 19. Minute zustande. Die gefährlichen Distanzschüsse der Karlsruher, vor allem die in zweiten Hälfte, verursachen dagegen kaum Ausschläge.

Was wiederum mit dem Wesen der xG-Werte zu tun hat: Sie benennen auf der Grundlage einer Vielzahl von Vergleichsdaten, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Torschusses aus einer bestimmten Position und einer bestimmten Situation heraus ist. Die KSC-Geschosse kamen nicht nur von außerhalb des Strafraums, es waren fast immer auch mehrere Abwehrspieler vorm Ball postiert, da ist die Einschlagswahrscheinlichkeit gering, auch wenn sich Sievers bisweilen ganz schön strecken musste.

Die Positions- und Passgrafik indes zeigt: Die FCK-Spieler sind besser übers Feld verteilt als zuletzt, die Pfeile zeugen auch von mehr Pass-Interaktion untereinander, und die Spots der zentralen Mittelfeldspieler liegen nicht nur weiter auseinander, sondern sind auch um einiges größer, das heißt, die beiden waren häufiger am Ball. 

2018-08-25 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Karlsruher SC.jpg

Der größere Abstand kommt dadurch zustande, dass Löhmannsröben sich zum Spielaufbau permanent in eine der Halbpositionen der Verteidigungsreihe fallen ließ. Zuck indes hat nur zu Albaek mehr als drei Bälle gespielt, ansonsten hing er einmal mehr in der Luft.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des KSC. Er spielte auf dem Papier ebenfalls ein 4-4-2, allerdings unterscheidet sich dieses in dieser Visualisierung deutlich von dem des FCK. Die offensiven Außenbahnspieler rücken wesentlich stärker ein als die Lauterer – Stichwort: Halbräume besetzen –, und geben so den Außenverteidigern mehr Gelegenheit zum Hinterlaufen, was Thiede besser ausnutzte als Rossbach. Der rechte Flügelspieler Roser nahm seine Anspiele im Schnitt in höherer Position als er etatmäßige zweite Stürmer Fink.

2018-08-25 Karlsruher SC Passing plot Kaiserslautern - Karlsruher SC.jpg

Zum Schluss präsentieren wir erstmals Sander IJtsmas Visualisierung der „Zone 14“-Pässe. Als „Zone 14“ bezeichnen die Analytiker das, was wir konservative Spielbetrachter eher als „Zehnerraum“ bezeichnen, also das Geviert vor dem Sechzehner, aus dem die – noch so ein „Old School“-Begriff – „tödlichen“ Pässe in die Box gespielt werden. Abspiele aus der „Zone 14“ führen nachweislich am häufigsten zu Toren, deswegen widmen Analytiker ihr die meiste Aufmerksamkeit.

 Wir haben die Grafik bislang nie gezeigt, weil sie gerade fürs FCK-Spiel eigentlich nie sonderlich vielsagend ist, aber auch das ist ja bezeichnend. Da ist sie also.

2018-08-25 Kaiserslautern Zone 14 plot Kaiserslautern 0 - 0 Karlsruher SC.jpgGerade mal fünf Passversuche ins Heiligste, drei davon – die gestrichelt markierten – kamen nicht an, die zwei, die ankamen, führten zu nichts.

Immerhin: Andere können’s noch schlechter. Hier, zur Erbauung der Pfälzer und zur Beschämung der Badener, die „Zone 14“-Grafik des KSC.

2018-08-25 Karlsruher SC Zone 14 plot Kaiserslautern 0 - 0 Karlsruher SC.jpgFazit: Diese letzten beiden Visualisierungen illustrieren recht gut, was auch „in echt“ zu sehen war: ein 0:0 nämlich. Und zwar nicht unbedingt eines „der besseren Sorte.“ Von wegen 64 Prozent Siegeswahrscheinlichkeit.

Ein Gedanke zu “Die xG-Grafiken: 64 Prozent Siegeswahrscheinlichkeit? Wer’s glaubt, wird selig

Kommentar verfassen