Trendwende – oder die nächste Bauchlandung? In Zwickau fehlen Spalvis, Albaek, Hainault, Esmel  

Jetzt mal ehrlich: Wer hat sich am Freitag mittag die Pressekonferenz des 1. FC Kaiserslautern vor der anstehenden Partie beim FSV Zwickau am Sonntag (13 Uhr) nur angeschaut, weil er checken wollte, wie angespannt sich Trainer Michael Frontzeck diesmal präsentiert? Und wer hat insgeheim darauf spekuliert, dass irgendein Medienvertreter ihn eventuell mit der Frage stachelt, ob er denn fürchte, dass im Falle einer Niederlage die berühmten „Mechanismen des Geschäfts“ greifen? Eine solche Einstellung ist nicht gerade nett, andererseits: Das ist die aktuelle Situation beim FCK auch nicht. Rang 16, fünf Punkte, nur drei geschossene Tore – das ist die Realität nach fünf Spieltagen in Liga 3.

Der Input an nüchternen Fakten, die diese PK bereithielt, ist schnell wiedergegeben, allerdings ebenfalls Besorgnis erregend: Mads Albaek und André Hainault fallen aus, nachdem schon während der Woche bekannt wurde, dass Lukas Spalvis wegen einer Muskelblessur in Zwickau fehlen wird. Wenigstens haben sich die Befürchtungen, er könnte sich vergangenen Samstag gegen Karlsruhe (0:0) eine ernsthafte Knieverletzung zugezogen haben, nicht bestätigt.

„EIN ODER ZWEI SPIELE WERDEN NICHT ENTSCHEIDEN, WAS MIT MIR PASSIERT“

Ansonsten wurde auch diese Konferenz von medialen Kabbeleien bestimmt, der Tonausfall zu Beginn der Internet-Übertragung passte da ins Bild. Zu hören war dann aber doch: Frontzeck schoss erneut scharf gegen den Kollegen vom „kicker“, der Anfang dieser Woche nochmal nachlegte. 

Für Frontzeck stellt dieser Beitrag nichts mehr und nichts weniger als ein „Frontalangriff auf den Klub“ dar, der auf „Ahnungslosigkeit“ basiere. „Ich habe den Eindruck, dass das zarte Pflänzchen, das mit dem sehr schlechten Spiel in Halle zum ersten Mal ein Stück weiter unter Druck gekommen ist, wieder kaputtgetreten werden soll.“ Der Verein sei gerade dabei, sich komplett neu aufzustellen, und habe auf die aufkochende Kritik bislang „überragend reagiert“, da würden „ein oder zwei Spiele nicht darüber entscheiden, was mit mir passiert.“

„Die tägliche Arbeit mit der Mannschaft ist mehr als positiv“, ist Frontzeck nach wie vor überzeugt, den Turnaround zu schaffen. Wir werden immer wieder Automatismen üben, bis sich der Erfolg einstellt.“

DIE LIGA LIGA: KOMPAKTE KLEINE KLOPPEN DIE INSTABILEN GROSSEN

Zwei Mal hat der FCK in dieser Saison gegen Teams gespielt, die zu Saisonbeginn zumindest zum erweiterten Favoritenkreis gerechnet wurden, gegen 1860 München und Karlsruhe. In diesen beiden Partien holte er vier Punkte. Drei Mal ging’s gegen Teams, die in der Dritten Liga gemeinhin unter „ferner liefen“ eingeordnet werden: Großaspach, Münster, Halle. Und gegen die sicherte sich der eigentlich ambitionierte Zweitligaabsteiger gerade mal einen Punkt.

Und was sagt uns das?

Dass sich der FCK gegen „die Großen“ leichter tut, weil die ja versuchen mitspielen, während die „Kleinen“ nur mauern? Bla, bla, bla. Das trifft mit einigem Wohlwollen vielleicht auf das 1:1 bei Großaspach zu, aber Halle und Münster haben sich gegen Kaiserslautern keinesfalls nur aufs Kontern verlegt. Münster profitierte sicher von seinen überragenden Fähigkeiten bei Standardsituationen, doch Halle war schlicht und ergreifend die bessere Mannschaft.

Richtiger ist daher wohl: Die vermeintlich „Großen“ spielen derzeit noch kein bisschen wie solche auf. Das gilt für den FCK ebenso wie für Eintracht Braunschweig, den KSC, die Sechziger, aber etwa auch den SV Wehen Wiesbaden, bei dem oft vergessen wird, dass er mit einem Top-Lizenzspieleretat von sechs Millionen Euro operiert, der damit sogar noch über dem der Lauterer liegt. Seinen aufgrund vergleichsweise stolzer Investitionen hohen Erwartungen einigermaßen gerecht wird bislang nur KFC Uerdingen, der sich nach fünf Spielen immerhin auf Rang drei geschafft hat.

Ansonsten dominieren diese Liga bislang die „Kleinen“, die Gewachsenen, die Kompakten: Osnabrück, Unterhaching, Jena, Halle. Und zumindest wir würden nicht hoch darauf wetten, dass sich die Tabelle demnächst noch nachjustiert, dass sich am Ende doch das Geld durchsetzt.

ZWICKAU IST STARK GESTARTET, HATTE IN JENA VIEL PECH

In die Kategorie der gut aufspielenden „Kleinen“ gehört auch der FSV Zwickau, auch wenn er nach der 1:2-Niederlage in Jena vergangenen Montag auf Rang acht zurückgefallen ist. Die ersten vier Spiele war der FSV ungeschlagen geblieben, und auch in Jena sah er 60 Minuten lang wie ein Gewinner aus, war durch Wachsmuth in Führung gegangen und hatte Chancen, auf 2:0 zu erhöhen. Der Ausgleich durch Brügmann fiel recht überraschend, und den Elfer, der die Niederlage der Zwickauer besiegelte, als „umstritten“ zu bezeichnen, ist fast schon Schönrederei.

Coach Joseph Enochs, ein US-Amerikaner, beginnt gerne in einem 4-2-3-1, und schiebt dann, nach einer runden Stunde, einen zweiten Stürmer nach. Beim 1:0-Sieg gesellte sich Routinier Ronny König (35) – der hat vor ewigen Zeiten auch mal in Lauterns Zweiter Mannschaft gekickt – zu Newcomer Tarsis Bonga (21 und holte prompt den spielentscheidenden Strafstoß heraus. In Jena war’s umgekehrt: König begann, Bonga rückte nach. Mal sehen, wie Enochs es am Sonntag mit den beiden handhabt.

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