Wieder nur 1:1 – Aber ein Schritt nach vorne, der diesmal auch zu erkennen war

Okay, am Ende ist es doch wieder nicht das Ergebnis, das in eine andere bessere Zukunft des 1. FC Kaiserslautern weist. Beim FSV Zwickau springt für den FCK nur ein 1:1 (0:0) heraus. Und da es nur noch Betrachter zu geben scheint, die entweder alles zu schlecht oder alles zu schön reden, wird niemand zufrieden in die nun anstehende Länderspielpause gehen können. Wir riskieren, die Prügel aus dem Lager der Skeptiker einzustecken und sagen: Nachdem vor Wochenfrist im Derby gegen den Karlsruher SC (0:0) der behauptete „Schritt nach vorne“ nur mit einem Vergrößerungsglas erkennbar war, war er diesmal mit bloßem Auge zu sehen. Das ist doch schon mal was.

Ach, wäre es doch nur bei dem 1:0 geblieben, das Timmy Thiele in der 60. Minute für den FCK erzielte. Dann könnten Mannschaft und sportliche Leiter jetzt frohlocken, sie hätten es den Zweiflern und Nörglern, die ihnen in der abgelaufenen Woche so schwer zugesetzt hatten, nun gezeigt. Und die Zweifler und Nörgler könnten kontern, sie wären es doch gewesen, die mit ihrer natürlich nur konstruktiv gemeinten Kritik den Weg in die richtige Richtung gewiesen hätten. Und beide wären zufrieden.

WIEDER MAL EIN EIERTANZ: ELFER JA ODER NEIN? GERECHT ODER UNGERECHT?

Doch es sollte nicht sein. Zu Beginn der Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Markus Wollenweber Elfmeter gegen Lautern, nach einem Handspiel von Jan Löhmannsröben, das fraglos auch eins war. Nur stand der unter dem Einfluss eines Gesichtstreffers, den ihm unmittelbar davor der eingewechselte Ronny König verpasst hatte. Zudem haderten die Lautrer, dass ihnen ihrerseits kurz davor ein Elfer verweigert worden war, nachdem der ebenfalls eingewechselte Dominik Schad im Zwickauer Strafraum zu Boden gegangen war.

Die FSV’ler wiederum führen an, dass Löhmannsröbens Fallaktion nach Königs Ellbogentouch total übertrieben gewesen sei, dass zuvor auch schon mal Florian Dick im Strafraum der Ball an die Hand gesprungen war und dass sie in der vorangegangenen Partie ihrerseits einen „Witzelfmeter“ hinnehmen mussten, ausgleichende Gerechtigkeit also… Müßig, weiter darüber zu philosophieren. Gepfiffen ist gepfiffen, Toni Wachsmuth trifft, Tor ist Tor.

Versuchen wir lieber, die Leistung des FCK einzuschätzen.

UND DOCH LIEF VIELES BESSER ALS ZULETZT

Denn erstaunlich ist es schon, was von dem, das in den vergangenen Wochen immer wieder bemängelt wurde, in dieser Partie plötzlich besser funktionierte: Kompaktes Zusammenstehen und Aufrücken, Standardsituationen, Flankenwechsel, Passspiel im Angriffsdrittel… Trainer und Vorstand werden jetzt sagen, dies seien erste Resultate der langsam fortschreitenden Entwicklung, für die sie seit Wochen um Geduld bitten, allem Gemecker zum Trotz. Und die Meckerer werden sagen: Die haben sich ja nur endlich mal zu Herzen genommen, was wir schon seit Wochen anmahnen.

Es beginnt damit, dass der personellen Änderungen angeblich zu wenig aufgeschlossene Coach Michael Frontzeck gleich zwei Startelfdebütanten ins kalte Wasser wirft. Er bringt gleich zwei Startelfdebütanten. Lukas Gottwalt – und nicht der bereits erprobte Özgur Özedemir – kommt für den verletzten André Hainault. Theodor Bergmann – und nicht Gino Fechner – für den ebenfalls blessierten Mads Albaek.

Und beide machen ihr Sache gut: Der 1,92 Meter-Brocken Gottwalt leistet vor allem nach der 60. Minute im Verbund mit Kevin Kraus Schwerstarbeit als Kopfballabräumer, nachdem FSV-Coach Joe Enochs die Kante König neben den wuchtigen Tarsis Bonga gestellt. Bergmann harmoniert gut mit Jan Löhmannsröben, der sich erneut als Aufbauspieler in der letzten Linie profiliert. Vor allem minimieren die beiden die Fehlpassquote im zentralen Mittelfeld, unter dem das FCK-Spiel in den vergangenen Wochen litt.

SOGAR DIE ECKEN DIE GEFÄHRLICH – UND ZUCK/HEMLEIN WECHSELN AUCH MAL

Der entscheidende Punkt für mehr Spielkontrolle, die die Lauterer fast über die gesamte Partie wahren, sieht man mal von ein paar Minuten vor der Pause, nach der Führung und der Nachspielzeit ab, in der König, so ehrlich müssen wir sein, ums Haar noch den Siegtreffer für Zwickau erzielt hätte.

Doch liegt es nicht nur an Löhmannsröben und Bergmann. Insgesamt steht die Elf kompakter. Bisweilen gelingen sogar Ballgewinne unmittelbar nach eigenem Verlust, und das in Gegners Hälfte – also fast so etwas wie erfolgreiches Gegenpressing. Und: Mitte der ersten Hälfte tauschen Hendrick Zuck und Christoph Hemlein auch mal die Seiten, so dass jeder mit seinem stärkeren Fuß nach innen ziehen kann. Linksfuß Zuck hat prompt eine Schusschance auf halbrechts, die wird jedoch zur Ecke abgefälscht. Diese wiederum landet bei Löhmannsröben, der das Ding volley drüber haut.

Und dies ist nur eine von mehreren gefährlichen Ecken, die der Kapitän in dieser Partie vors Gehäuse bringt – hat man in dieser Dichte in dieser Spielzeit auch noch nicht gesehen. Newbie Gottwalt gelingt nach einer weiteren ein Drehschuss, doch FSV-Verteidiger René Lange klärt auf der Torlinie. Das muss er noch zwei Mal tun, einmal nach einer Passkombi zwischen Timmy Thiele und Julius Biada, der erneut zeigt, das er vorm Sechzehner klug zu agieren vermag.

JETZT HEISST ES, IN DER SPUR BLEIBEN

Beim Führungstreffer darf dann nicht nur Thiele, sondern auch Zuck etwas für sein Selbstbewusstsein tun, nach dem er in dieser Spielzeit schon viel Prügel einstecken musste. Er ist es, der Thiele mit einem schönen Vertikalpass auf die Reise schickt. Der braucht zwar zwei Versuche, um FSV-Keeper Johannes Brinkies zu überwinden, schlussendlich aber zählt: drin ist drin.

Die Führung verteidigt der FCK anschließend nicht immer souverän, spielt auch, wie es auch sonst an solchen Stellen heißt, „einige vielversprechende Situationen nicht gut zu Ende“ – unterm Strich hätte es aber reichen müssen. Wenn das Drama in der Nachspielzeit nicht gewesen wäre.

Wir resümieren: An die Spitze ist es zwar noch weit, aber der FCK ist den nach dem KSC-Spiel angekündigten weiteren „Schritt nach vorne“ durchaus gegangen. Jetzt aber muss es in dieser Richtung auch weitergehen. Und zwar am Montag, 17. September, zuhause gegen Fortuna Köln. Mit einem Sieg ließe sich dann ein realistisches Nahziel ins Auge fassen: Zur Winterpause in einer Tabellenposition zu sein, aus der heraus der Angriff auf die Spitze zumindest noch möglich ist.

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