Erstes Zwischenzeugnis: Versetzung gefährdet, aber noch besteht Hoffnung auf Besserung

Die Länderspielpause zu nutzen, um den jüngsten Saisonabschnitt des 1. FC Kaiserslautern ausführlich zu bilanzieren, bleibt auch in der Dritten Liga fester Bestandteil dieses Blogs. Auch wenn Sportvorstand Martin Bader unlängst drum bat, die Arbeit der sportlichen Leitung erst in der Winterpause einer ersten Bewertung zu unterziehen. Aber so sind wir nun einmal: Wir reden weder der Klubführung nach dem Munde, noch stimmen wir in den Chor der jüngst recht laut gewordenen „Frontzeck raus“-Rufer ein. Sondern setzen uns schön zwischen alle Stühle… Ja, die Leistung beim 1:1 in Zwickau jüngst macht Hoffnung auf Besserung. Aber die nackten Ergebnisse nach sechs Spielen sind nun einmal entmutigend: Sechs Punkte und nur ein Sieg nach sechs Spieltagen bedeuten gerade mal Rang 15, mit gerade mal vier erzielten Treffern bildet die FCK-Offensive auch in dieser dritten Klasse das Schlusslicht der Tabelle. Das will verdaut werden. Und aufgearbeitet.

Hecheln wir zunächst mal durchs Personal. Die neue Nummer 1 Jan-Ole Sievers war bislang nicht fehlerfrei, scheint sich allerdings nach seinen starken Paraden im Spiel gegen den Karlsruher SC weiter gefestigt zu haben. Bei Florian Dick und André Hainault sind die nicht ganz unerwarteten Schnelligkeitsdefizite unübersehbar. Ob sie diese mit Routine und Stellungsspiel über die gesamte Saison kaschieren können, muss sich noch weisen.

DIE DEFENSIVE: NICHT FEHLERFREI, ABER ERST SECHS GEGENTREFFER

Linksverteidiger Janek Sternberg marschiert forsch nach vorne, leistet sich aber ebenfalls Schwächen im Defensivverhalten. Özgur Özdemir fiel vor allem durch Fouls auf, die zu Gegentreffern führten. Gar nichts zu meckern gibt es im Abwehrbund lediglich an Kevin Kraus. Und an Newcomer Lukas Gottwalt, der freilich erst ein Spiel absolviert hat.

In Zahlen ausgedrückt präsentiert sich die Defensive jedoch gar nicht als Problem. Mit erst sechs Gegentreffern hinkt der FCK hinter den Spitzenteams der Liga gar nicht so weit hinterher.

Im zentralen Mittelfeld läuft’s bei Gino Fechner und Mads Albaek noch nicht annähernd rund. Dabei können beide fraglos mehr. Fechner scheint die Ruhe am Ball zu fehlen, Albaek in den entscheidenden Momenten die Handlungsschnelligkeit. Jan Löhmannsröben ist wegen schwer nachvollziehbarer Fitnessdefizite erst seit dem DFB-Pokaldebakel gegen Hoffenheim (1:6) eine Option, seither aber eine Bereicherung. Und Theo Bergmann debütierte in Zwickau äußerst vielversprechend.

Auf den Flügeln hat Christoph Hemlein immer mal eine starke Aktion, taucht dann aber wieder zu lange ab. Hendrick Zuck und Florian Pick ist noch weniger gelungen.

DIE OFFENSIVE: GUTE EINDRÜCKE, ABER ERST VIER MAL ERFOLGREICH

Mit der Beurteilung der Stürmer tun wir uns dagegen schwer. Die sind nunmal sehr vom funktionierenden Mannschaftsgefüge hinter ihnen abhängig, was im übrigen auch der Grund ist, weswegen dieser Blog keine Einzelbenotungen veröffentlicht. Einen schlechten Eindruck machen die Offensiven bislang eigentlich nicht. Julius Biada gelingen immer mal tolle Anspiele aus dem Zehnerraum, Lukas Spalvis vermittelt schon ausreichend Kompetenz, das, was er auf Schlappen oder Schädel bekommt, auch reinzumachen, bislang kam halt noch nicht so arg viel.

Auch Timmy Thiele präsentiert sich durchaus als Waffe, wenn er so eingesetzt wird, dass er mit Anlauf aus der Tiefe kommen kann, siehe sein 1:0 in Zwickau, siehe die halbe Stunde nach seiner Einwechslung gegen 1860 München. Als reiner Strafraumwühler wirkt er dagegen nicht sehr effizient. Noch gar nicht in Szene zu setzen vermochte sich indes Elias Huth, der bislang nur von der Bank kam. Vielleicht braucht er mal ein paar Startelfeinsätze in der Zweiten Mannschaft, um sich ein wenig Selbstvertrauen anzuballern.

Moment mal – mit den Stürmern wird kaum gemeckert, die Abwehrspieler bekommen aber auf den Deckel? Und das bei einem Torverhältnis von 4:6? Wie passt das denn zusammen?

KANN MAN 18 NEULINGE SCHNELLER ZUR EINHEIT FORMEN? SCHWER, ABER MÖGLICH

Eben insofern, als dass das große Ganze noch nicht zusammenpasst. Trainer Michael Frontzeck und Sportvorstand Martin Bader werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass 18 Neulinge im Kader erst einmal zu einer Mannschaft zusammenwachsen müssen. Das Argument hat sicher seine Berechtigung, allerdings darf auch die Frage gestellt werden, ob es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht dennoch schon ein bisschen mehr sein könnte. Zumal der Kader ja schon zu Beginn der siebenwöchigen Vorbereitung komplett war.

Beispiel Halle. 2:0 schlug der FC den FCK am vierten Spieltag. Martin Bader hat da einen Gegner gesehen, der „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ aufs Feld trat. Das wiederum haben wir nicht gesehen. Sondern einen glänzend aufspielenden und organisierten Gegner, der sich phasenweise immer wieder die Art von forschem Angriffspressing leistete, das die Zuschauer am Betzenberg gerne mal von ihrer Mannschaft sehen würden. Und der ein recht ungewöhnliches 3-2-3-2 spielte, das die wenigsten Spieler schon einmal gespielt haben dürften, bevor sie nach Halle wechselten. Dabei standen in der Startelf der Hallenser sechs Kicker, die erst im Sommer kamen…

In der Lautrer Mannschaft war es lediglich einer mehr. Und beide Teams wechselten später zwei weitere Neue ein… Es mag also nicht selbstverständlich sein, nach so viel personeller Fluktuation schneller zur Einheit zu finden. Unmöglich ist es aber offenbar nicht.

DIE STANDARDSITUATIONEN: WÄR DA NICHT DOCH MEHR DRIN?

Weiteres Manko: Die Effizienz nach ruhenden Bällen. In Zwickau produzierte Kapitän Dick zum ersten Mal in dieser Spielzeit mehrere gefährliche Ecken und Freistoßflanken hintereinander. In den Spielen zuvor kamen auf eine ordentliche zwei mäßige und eine grottige, so ungefähr jedenfalls. Wär da nicht mehr drin nach sieben Wochen Vorbereitung?

Es gab ihm deutschen Profifußball einmal eine Zeit, da profilierte sich ein gewisser Peter Neururer als „Feuerwehrmann“ bei kriselnden Klubs. Die Ergebnisse der von ihm kurzfristig übernommenen Teams verbesserte er zügig durchs Einstudieren von Freistoß- und Eckballvarianten, weil sich damit, wie er sagte, „am schnellsten was bewegen lässt“…

Damit ist jetzt aber genug gemeckert. Geben wir jetzt mal der anderen Seite contra: den Frontzeck-Kritikern. Zunächst sei nochmal gesagt: Dieses „Wann hat Taktik denn schon mal Spiele gewonnen?“, das ihm zurzeit unter die Nase gerieben wird, ist ihm nach einem Hinterfragen der 4-4-2-Grundordnung rausgerutscht, an der er permanent festhält – und auch nur in diesem Zusammenhang zu verstehen. Selbst die größten Frontzeck-Kritiker sollten sich eingestehen, dass sich ein Profitrainer schon darüber im Klaren ist: „Taktik“ lässt sich nicht auf die Wahl eines Spielsystems reduzieren. Frontzeck hat sich in dem Moment lediglich unglücklich ausgedrückt.

ZU WENIG GEWECHSELT, NICHT VARIABEL? WO WAREN DENN DIE ALTERNATIVEN?

Zur Kritik, Frontzeck habe in den vergangenen Wochen zu wenig gewechselt, sei gar zu wenig „variabel“ gewesen, ist zu sagen: Das ist in einer Phase, in der eine neu zusammengestellte Mannschaft erst mal zusammenwachsen soll, durchaus nachzuvollziehen. Außerdem fehlten auf den Positionen, auf denen sich Wechsel anboten, personelle Alternativen. Theo Bergmann war verletzt, Jan Löhmannsröben körperlich nicht fit, um mal für Gino Fechner in die Startelf zu rücken. Auf den Flügeln kommt hinter Hemlein, Pick und Zuck niemand mehr. Die Frage ist vielmehr, warum da vor Transferschluss nicht doch nochmal nachgebessert wurde.

Dennoch: Auch ein 4-4-2 lässt sich beweglicher interpretieren, als es in den ersten Saisonspielen zu sehen war. In Zwickau waren zumindest Ansätze zu erkennen. Hemlein und Zuck zogen mehr in die Halbräume, wechselten auch mal die Position. Auf der Schiene muss es nun weitergehen, wenn sich die in Zwickau angedeutete Aufwärtsentwicklung im kommenden Heimspiel gegen Fortuna Köln am Montag, 17. September (19 Uhr) fortsetzen soll.

Wir hätten sogar noch einige Ideen mehr in petto, um das gegenwärtige 4-4-2 der Lauterer schwerer berechenbar zu machen. Dass sie tatsächlich Gehör finden, glauben wir zwar nicht wirklich, schreiben sie aber trotzdem mal hin.

Idee 1: Die Sturmduos besser an ihren persönlichen Fähigkeiten ausrichten

Mit Biada, Thiele und Spalvis hat der FCK drei starke Offensivspieler zur Verfügung, von denen er in der Regel nur zwei auf dem Feld stehen. Spielt Biada, lässt er sich gerne auf die Zehnerposition fallen, der andere gibt den „Wandspieler“, und das macht in dieser Besetzung auch Sinn. Stehen jedoch Thiele und Spalvis auf dem Platz, versucht in der Regel Spalvis, den Part des hängenden Stürmers zu übernehmen. Effektiver wäre es unserer Ansicht nach, er bliebe vorne in der Mitte und Thiele suchte den Weg mal über den linken, mal über den rechten Flügel. In den Zehnerraum könnten dann wechselweise die beiden Flügelspieler stoßen. Oder Albaek, wenn er endlich zu Form findet.

Idee 2: Zuck auf die rechte Seite

Der Linksfuß sagt selbst, dass er am liebsten von der rechten Seite kommt, und das ist verständlich: Der Tempodribbler, der auf seiner Seite zur Grundlinie durchwirbelt und flankt, ist Hendrick Zuck nun einmal nicht. Er zieht lieber in die Mitte, um vertikal in die Spitze passen – siehe seinen Assist zu Thieles 1:0 in Zwickau. Das funktioniert noch besser, wenn er den starken Fuß innen hat. Oder er stößt selbst den Weg in die Spitze, um abzuschließen. So war es in dem halben Jahr, in dem er einst seinen Durchbruch beim FCK schaffte, öfter zu sehen.

Idee 3: Sternberg mal links offensiv ausprobieren

Janek Sternberg hatte seine stärksten Szenen bislang in der Vorwärtsbewegung, und der FCK schwächelt auf den offensiven Flügelpositionen – warum also nicht aus der Not eine Tugend machen? Sternberg rückt eine Position nach vorne, und den defensiven Part übernimmt Dominik Schad. Der könnte mit seiner Schnelligkeit der FCK-Defensive bestens zu Gesicht stehen.

Idee 4: Löhmannsröben als zweiter Innenverteidiger neben Kraus

Wenn er bereits hinten stehen würde, müsste er sich nicht erst aus der Sechserposition fallen lassen, um seine präzisen ersten Bälle zu spielen. So ein bisschen könnte er dabei sogar an Mats Hummels erinnern, dem man in seinen Dortmunder Jahren nachsagte, er sei ein „spielmachender“ Innenverteidiger… Die körperliche Robustheit, im Abwehrverband zu agieren, brächte Jan Löhmannsröben mit, die taktische Disziplin, die ihm nach Meinung seiner Kritiker abgeht, müsste ihm eben der Trainer einimpfen. Und mit Kevin Kraus als nüchtern-kompromisslosen Nebenmann könnte das sogar funktionieren.

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